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486 Hammer, Ios. Ritter v.
Staatskanzley ernannt. 1815 erhielt H. als Anerkennung des Verdien-
stes durch sein Werk über die Staatsverfassung des ottomannischen Rei-
ches von dem Kaiser von Rusiland den St. Annen-Orden 2. Classe und
von dem König von Dänemark den Danebrog-Orden. 1817 wurde er
zum wirkl. Hofrath ernannt und erhielt während der Anwesenheit des
persischen Bothschafters Mirsa Abdul Hassan, den er, Kraft seines
Amtes als Hofdolmetsch, im feyerlichen Zuge zur Audienz nach Hofe be-
gleitete, die Auszeichnung des Leopold-Ordens mit einem ehrenvollen
Schreiben des Staattkanzlers, Fürsten von Metternich. Von dem
Bothschafter erhielt H. einen kostbaren Shawl und ein Pferd, welch'
letzteres er für 100 Ducaten verkaufte, und sich für diese Summe von
dem Bildhauer Kiesling sein eigenes Grabmal im orientalischen Style
verfertigen ließ, wozu Fürst Sinzendorf den grauen Marmor aus
seinem Steinbruche bey Gföl l spendete. Dessen Inschriften in 10 Spra-
chen mit Sprüchen aus Horaz, Malesherbes, Dante, Sha?
kespeare, Calderonlc., uud persischen, arabischen und türkischen
Classikern sowohl, als die dem Grabmale eingehauenen Blumenkrüge voll
Lilien des Thales beziehen sich auf das ihm in dem persische» Diplome,
welches im XV. Bande der Jahrbücher der Literatur abgedruckt wurde, bey-
gelegtepersischePrädicat der Lilievon zehnZungen. Es soll in H.'s Lieblings-
aufenthalt Weidl ing bey Klosterneuburg gesetzt werden, wo
er sich sein eigenes Grabplätzchen wählte. 1821 wurde H. mit einem Auf-
trage nach Berl in gesandt, auf welcher Reise er die orientalischen Scha-
tze der Bibliotheken von Dresden und Ber l in kennen lernte, dieser
später zum Behufe seiner osmanischen Geschichte ausbeutete. Zum Be-
hufe seiner historischen Forschungen unternahm H. 1825 eine vom Für»
sten von Metternich begünstigte Reise nach Italien, deren bibliogra»
phische Ausbeute in 9, in der Libliuteoa italiana erschienenen biblio-
graphischen Briefen niedergelegt ist. Er brachte 6 Wochen während des
Aufenthalts des Hofes in Ma i l and zu, und erfreute sich dort vorzüglich
des nähern Umqangs mit dem kunstsinnigen Grafen Visco nti unddem
als Numismatiker ausgezeichneten Orientalisten Grafen Castiglione.
Zu R o m traf H. seinen alten gelehrten Freund, den russischen Gesand-
ten, Ritter von I tal in ski , mit dem er bereits zu Constantino-
pelim vertrauten Verkehr gestanden und dessen reiche Sammlung orien--
talischer Handschriften H.'s Forschungen sehr willkommene Fundgruben
both. In neuerer Zeit beschäftigte sich H., der sich allgemeiner Anerken-
nung und Achtung seiner ausgezeichneten Verdienste erfreut, in Ruhe
mit der Vollendung der ersten Ausgabe seiner osmanischen Geschichte
und der Verbesserung der im Zuge begriffenen zweyten, nach deren Voll-
endung die Reihe an die schon zum Drucke bereit liegende Geschichte
der türkiscöen Poesie kommen soll, auch erhielt er den zu Berl in auf die
Beantwortung der Frage über die innere Verwaltung des Chalifats ge-
setzten Preis von Il><) Ducaten, den er zur Herausgabe des türkischen
Gedichtes ^asli ': ': Die Nachtigall und die Rose im türkischenTerte und
deutscher Übersetzung verwendete. Die Erzherzoginn Sophie liesi für die
Zueignung desselben, H.'s ältester Tochter einen goldenen Schmuck zu-
stellen. H.'s literarische Leistungen sind: Die Befreyung von Akri «./
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie