Page - 489 - in Österreichische National-Enzyklopädie - Buchstabe E-H, Volume 2
Image of the Page - 489 -
Text of the Page - 489 -
Handel und Hande lspo l i t i k . 489
1662. — Messen von 5, 6, 12 und mehreren Stimmen, Dresd. 1663.
— Fest-und Zeirandachten, eb. 1671.
Handel (östcrr. überhaupt) und Handelspolitik der Re-
gierung. Daß der innere H. den auswärtigen an Wichtigkeit übertreffe,
dürfte, da dieser Umstand sich bey jedem etwas größeren Staate bemerkbar
macht, zwar nicht erst erwähnt werden, wenn nicht eben die Ausdehnung
der verschiedenen Provinzen mit einer großen, wohlhabenden Bevölkerung,
die Mannigfaltigkeit der einheimischen Verkehrsgegenssände und die schü-
tzende Begünstigung von Seite der Regierung, die Wichtigkeit des in,
nem Handels besonders hervorhöbe. Zwar stehen noch manche Hinder-
nisse dessen möglichster Entfaltung entgegen, und darunter sind vorzüg-
lich zü zählen die durch die große Entfernung einzelner Provinzen und durch
die mächtigen, die Monarchie in allen Richtungen durchziehenden Gebirgs-
rücken erschwerte Communication, der außerhalb der Hauptstadt noch
fühlbare Mangel an Capitalien bey den verschiedenen Handelsoperationen
und die durch politische Verhältnisse gebothene Scheidung des Staates in
2 Zollgebiethe, die jedoch keineswegs bey ihrem gegenseitigen Verkehre
denselben Bestimmungen unterworfen sind, wie bey dem Handel im Aus-
lande. Aber manches ist schon gethan,- den Einfluß dieser Hindernisse zu
vermindern, und mannigfache Hülfsmittel tragen zur Erleichterung des
innern Verkehres bey. Dahin ist vor allem die Freyheit und die Abschaf-
fung aller Beschränkungen derselben innerhalb jedem der beyden Zollge-
biethe zu rechnen. Ferner erleichtern zahlreiche, jährlich sich mehrende
Haupt- und Nebenstraßen die gegenseitige Verbindung der Provinzen und
ihrer einzelnen Theile unter einander. Überhaupt findet der H. große
Erleichterung durch die verbesserte Flußschissfahrt, durch die künstlichen
Canale und gut erhaltenen Commerzialstraßen. Böhmen hat allein 317
Meilen, Oalizien 320 Meilen Kunststraßen. Unter letzteren verdient jene,
welche aus Tyrol über das Stilfser und Wormser Joch nach der Lombar-
die führt, als die höchste und am kühnsten angelegte Kunststraße in Eu-
ropa, so wie die neue Eisenbahn (s. d.) besondere Erwähnung. -—Von
den Wasserstraßen dienen hauptsächlich die Donau, welche die Monarchie
in einer Länge von 180 Meilen durchströmt und auf ihrem Laufe dieRe-
sidenzstadt berührt, der Po sammt den übrigen italienischen Flüssen, end-
lich die Canäle in Italien, Ungarn, Niederösterreich und der venetian.
Meerbusen zwischen Dalmatien, T rie st und V en ed ig zur Belebung
des innern Handels. Die Wiener Nationalbank vermehrt durch ihre No-
ten das Umlaufsmittel und leistet auch als Disconto- und Leihbank dem
H. wesentliche Dienste; viele große Handelsplätze und ein regelmä-
ßiger beschleunigter Postenlauf tragen nicht weniger zur rascheren Bewe-
gung des Gütertausches bey. Sehr bedeutend und gewinnbringend ist der
Transito- und Speditionshandel. Wien ist der Mittelpunct des österr.
Handels mit 106 Groß-, 571 bürgerlichen, 16 Kunst- und 30 Buch-
handlungen. Jede Stadt und jeder Marktflecken besitzt ferner Jahr- und
Wochenmarkt-Gerechtigkeit. In Ungarn allein sind nicht weniger als
1640 marktberechtigte Orte. Besondere Begünstigungen erhielt der inlän-
dische H. durch folgende seit dem Regierungsantritte des Kaisers Franz
getroffenen Verfügungen: Den 30. Iuny l792 wurde verbothen, frem-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie