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Handel und Handelspolitik. 49t
Gewinn hiebey ganz auf der Seite des Auslandes blieb. Der lang anhal-
tende Friedenszustand, die großen Anlagen des Landes zur Production
so mancher im Welthandel sehr begehrten Gegenstande und endlich die
Betriebsamkeit der Staatsbürger, welche seine natürlichen Anlagen zweck-
mäßig auszubeuten wußteu, hat auch dieses Verhältniß zum Vortheile
Österreichs gewendet; der oft sehr beträchtliche Ausfall, welcher sich in,
dem auswärtigen Waarenhandel bey der Ausfuhr des Staates, in Ver-
gleichung mit seiner Einfuhr offenbarte, hat sich allmählig vermindert,
und in den neuesten Zeiten sogar in einen Überschuß der Ausfuhr gegen
die Einfuhr verwandelt. Drey große, entgegengesetzten Meeren zufüh-
rende Wasserstraßen und vorzüglich eine eigene Seeküste erleichtern die
Handelsverbindungen Österreichs mit den entferntesten Landern. Die Mol-
dau/ dann die Elbe, welchedurch Norddeutschland und überHamburg
der Nordsee zueilt, sind für den H. Böhmens von besonderer Wichtigkeit;
die Donau, mehr noch als Binnenstuß bedeutend, setzt das Erzherzogthum
Osterreich und Ungarn mit Oberdeutschland, der Türkey und dem schwarzen
Meere in Verbindung, obwohl ihrer vollen Benützung für den letzten Zweck
noch manche Hindernisse im Wege stehen. DerPo und die andern oberitcv-
lienischen Flüsse stellen die Communication des lombardisch'venetianischen
Königreiches mit der adriatischen See her, welche letztere selbst die österr.
Küsten in einer Strecke von 231 Meilen bespült. Ein mächtiger Hebel
zur Belebung des auswärtigen H.'s sind die 3 Freyhäfen an dieser Kü-
ste der südlichen Begrän^ung des Staates, Trieft , Venedig, Fiu-
me; zu gleichem Zwecke dienen die beyden freyen Handelsplätze an der
Nordgränze des Kaiserthums, Brody und Podgorcze, welche frey^
lich durch die veränderten politischen Verhältnisse viel von ihrer ehemahli-
gen Wichtigkeit verloren haben. Nicht minder, als für den Außenhan-
del, sind jene Freyhafen, besonders Triest und Venedig, für den
österr. Durchfuhr- und Zwischenhandel wichtig und vorzüglich durch die
Belebung dieser beyden Arten,, des Verkehrs wurde ihre Bedeutenheit
auch für den auswärtigen H. Österreichs erhöhte Der Durchfuhrhandel
Österreichs, einer der wichtigsten Europa's, theilt sich in 3 Hauptrich-
tungen; er geht von der adriatischen Seeküste, von der Türkey und der
russischen Gränze durch die Monarchie nach Deutschland und der Schweiz.
Derselbe macht einen nicht unbeträchtlichen Theil des österr. Gesammt-
Verkehrs aus, und wird durch die geographische Lage und dieAusdehnung
des Staates, durch das liberale Transito-Zollsystem und durch die guten
Straßen begünstiget. Der Zwischenhandel hat seinen Sitz in Wien,
Triest und Venedig und bildet in den beyden letztgenannten
Städten einen der wichtigsten Zweige ihres Verkehres; sein Zug geht
nach den adriatischen Küstenländern, besonders aber nach der Levante und
Ägypten. Zu seinem Seehandel bedarf der Staat einerMarine: und ob-
gleich Osterreich seinen Gesammtverhältnissen nach kaum zu einem See-
handelsstaate geeignet zu seyn scheint, so hat es doch eine nicht unbedeu-
tende und im Vergleiche mit seinem beschränkten Seegebiethe, wirklich
zahlreiche Handelsmarine. In allem besitzt der Staat gegenwärtig 528
Kauffahrteyschiffe ohne die Küstenschisse und Fischerfahrzeuge, bey7l)N0
Matrosen und 2370 Kanonen als Ausrüstung. Die österr. Frachtfahrer
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie