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494 Handel und Handelspolitik.
chem anderen beschrankten Staate. Die Nachtheile, die man diesem Sy-
steme zuschreibt, treten bey dem großen Umfange des Staates, be«
der mannigfachenVerschiedenheit der Bedürfnisse und Erzeugnisse der einzel-
nen Provinzen in den Hintergrund, wogegen sich bey der noch immer
sehr bedeutenden einheimischen Concurrenz seine Vortheile um so bemerk-
barer machen; und wäre in dieser Beziehung und von dem Standpuncte
der eigenen Staatsbürger aus betrachtet, das abgeschlossene umfangsreiche
Osterreich für jene nicht immer noch vortheilhafter als die allerdings sehr
löblichen Zoll- und Handelsvereine mehrerer deutschen Länder für die
Unterthanen der Vereinsstaaten? — Unter Franzens Regierung wurde
das Verbothssystem vervollständigt, und ihm die von den Umständen ge-
bothene Richtung gegeben; trotz den sturmbewegten undkriegerischenZei-
ten wurde der Gewerbsthätigkeit eine ununterbrochene aufmerksame Pflege
zu Theil, welche sich durch eine zahlreiche Menge günstiger Verfügungen
und wohlthätiger Einrichtungen beurkundete. Es mag hier nur der Ein-
führung vieler gewerblichen Bildungsanstalten, wie des alle Zweige der
Technik und des Handels umfassenden polytechnischen Institutes zu W i en,
und des von den böhmischen Ständen errichteten technischen Institutes zu
Prag, der Freygebung wichtiger Beschäftigungen und Aufhebung der
Abgeschlossenheit der noch bestehenden Zünfte, endlich der vorzüglichen
Sorge der Regierung für die Herstellung guter zahlreicher Straßen und
Communicationsmittel gedacht werden; ein neues vollständiges Privile-
giengesetz muntert zu nützlichen Erfindungen und Versuchen auf, ohne die
allgemeine Betriebsamkeit durch dauernde Monopole zu hemmen, und
das großartige Werk der Grundsteuerregulirung innerhalb des gesamm-
ten Staatsgebiethes, dessen Ausführung allein den Nahmen eines Mo-
narchen zu verherrlichen vermöchte, wird nach seiner nicht mehr fernen
gänzlichen Vollendung für den Landmann durch die gleiche Vertheilung
seiner Lasten von nicht zu berechnenden wohlthätigen Folgen seyn. Nach-
dem die unruhigen Kriegsjahre ihr Ende erreicht, und die Störunge«/
welche der plötzliche Eintritt des Friedensstandes, so wie die beyden Miß-
jahre 1816 und 1817 hervorbrachten, sich ausgeglichen hatten, ging die
Entwicklung der Industrie mit schnellen, wenn gleich nicht laut sich an-
kündigenden Schritten vor sich; der innere Verkehr gewann an Ausdeh-
nung und Lebhaftigkeit, und das Bedürfniß auswärtigen Absatzes kam
dem fremden Begehr einheimischer Products fördernd entgegen. Nun
wurde auf den auswärtigen H. eine um so größere Aufmerksamkeit
gewendet, als in dieser Periode die Regierungen überhaupt die hohe Wich-
tigkeit der Industrie und des Verkehrs für das gesammte Staats- u»d
Nationalwohl ernstlicher zu würdigen begannen, es schien der Zeitpunct
herangekommen, wo eine allmählige stufenweise Annäherung zu dem
Grundsatze eines freyen Verkehrs sich als zulässig, und für den umem
H. nicht minder als für den äußern, als ersprießlich darstellte. Lang-
sam und sicher schreitet die Veränderung vor, aber nur so entgeht ma»
der Nothwendigkeit theilweiser Rückschritte, und vermeidet die gefähr-
lichen Schwankungen eines plötzlichen Überganges. Nun wurde die See-
schifffahrt gesetzlich geregelt, die Freyheit der Elbeschifffahrt durch Ver-
träge mit den Uferstaaten hergestellt; Consule wurden an allen wichtige«
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie