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Harrach, Carl Borrom., Graf v. 511
Oberst-Erblandsiallmeisteramt in Osterreich ob und unterderEnns ist den
beyden, noch bestehenden Linien gemeinschaftlich, und wird von dem
Senior des Hauses verwaltet.
Harrach, Carl Borrom., Grafv., Doctor der Arzneykunde,
Rathogebiethiger der deutschen Ordens-Valley Osterreich und Comthur
m Laib ach, trefflicher Arzt und edler Menschenfreund, war geboren
n» Wien den l l . May 1761. Die glücklichsten Anlagen, und ein be-
sonders lebhafter Geist, die ihn in seiner Kindheit schon auszeichneten,
und die durch eine weise Leitung die beste Richtung erhielten, waren eine
frühzeitige sichere Bürgschaft für seine künftige Tüchtigkeit. Nach
Beendigung seiner Studien wurde er von dem e> fahrn en Staatsrathe
Freyh. von Eg e r zum Staatsdienste gebildet, und dann 1784 vom Kaiser
Joseph l l . zum Gubernialrathein Prag ernannt. Kaiser Leopold I I .
ertheilte ihm 1790 die Kämmererswürde. — Doch ein unwiderstehlicher
mächtiger Trieb, sich ganz den Künsten und Wissenschaften zu weihen, be-
wog ihn die Laufbahn, auf welcher er im Staatsdienste so glücklich vor-
wärts eilte, aufzugeben. Mit warmem Eifer ergab er sich nun dem Stu-
dium der Sprachen, unternahm in naturwissenschaftlicherHinsicht eine Reiss
nach Deutschland, Frankreich und England, erwarb sich die Freundschaft
vieler ausgezeichneten Gelehrten, in deren Zahl auch Goethe und
Blumenbach waren. Mit umfassenden tiefen Kenntnissen in der Na-
turwissenschaft, und in der classischen Literatur des Auslandes bereichert,
kehrte H. in seine Vaterstadt zurück. Hier ergab er sich mit dem Feuer-
eifer seiner Seele dem Studium der Medicin, den freundschaftlicheil
Unterricht ertheilten ihm hierin die damahligen berühmten Männer und
Professoren: Frank, Adam und Wilhelm «Schmidt, Prohas-
ka, Iacquin :c. Um sich aber zu einem tüchtigen, practischen Arzte
auszubilden, beschäftigte er sich Tagelang und rastlos im Spitale, bis
ihn ein heftiges Spitalsieber befiel; hier ist es nun, wovon der Hambur-
ger Corresoonoent 1803 Nr. 29 meldete, daß er seinem damahls noch
jungen Freunde und Ordinarius, Dr. von Staudenheim, 10,000 fi.
zur Belohnung für seine Herstellung auf die edelmüthigste und feinste
Art eingehändigt habe.— 1803 den 25. Iuny ward H. zum Doctor der
Medicin graduirt, und am 10. Aug. d. I. wurde er Magister der Ge-
burtshülfe. Nicht sein Talent allein, auch sein Vermögen war von die-
sem Augenblicke an zum Woble armer Kranken bestnnmt; vom frühen
Morgen bis in die späte Nacht in der Stadt, wie in den entferntesten
Vorstädten Wien's, in den dunkelsten Kammern der drückenden Ar-
muth, selbst da, wo ansteckende Krankheiten herrschten, erschien er mit
Rath und That, helfend und tröstend. Er hatte die Arzneyen nicht nur
verordnet, er hatte sie auch bezahlt, und die nöthige, stärkende Nah-
rung für die Kranken aus eigenen Mitteln besiritten. Del wahre
Menschenfreund sorgte auch dafür, dasi es den durch seine Pflege gesund
gewordenen Armen auch weiterhin an nöthigen Bedürfnissen nicht mangle;
er verschaffte iknen nicht nur Arbeit, sondern nach Umständen, auch den
Stoff und Werkzeuge dazu. Da er 1804 i» den deutschen Orden
aufgenommen, und 1806 Hauscomthur wurde, hatte sich der Wir-
kungskreis seiner Wohlthätigkeit nur noch mehr erweitert. Bey der er-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie