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die Wahrheit aufzusuchen, und sie zum Gedeihen der Wissenschaft fest
abzumarken und zu begründen bemüht war. H. erhielt 1803 die Physl-
katsstelle im l. k. Versorgungshause zu Mauerbach, die er durch 3
Jahre zur vollen Zufriedenheit seiner Vorgesetzten verwaltete. In dieser
Epoche erregte in der Medicin dieSchellin g'sche Identitäts - Lehre viel
Aufsehen. H.'s Scharfblick entdeckte bald die Nachtheile, welche diese
Lehre dem wahren Studium der Medicin bringen, und in welche Laby-
rinthe sie diese verwickeln, und bloß zu einer raisonirenden Charlatanerie
herabwürdigen konnte. Auch jetzt trat H. mit der ihm eigenen Freymü-
thigkeit gegen dieses System auf, und schrieb eine Abhandlung von dem
Einflüsse der Philosophie auf die Theorie der Heilkunde. (Salzburg«
medicinisch-chirurgische Zeitung von 1805. I I . Bd.) 1806 wurde ihm
die Lehrkanzel der theoretischen und practischen Heilkunde an dem k.k. Ly-
ceum zu Ol mutz ertheilt, wobey er zugleich die Stelle eines Primar-
arztes in dem dortigen Kranken« und Findelhause versah. 1810 wählte
ih» das Lyceum zum Rector, welches Jahr auch sein letztes an dem Ly-
ceum war. 180? schrieb er über die Natur und Heilung des ansteckenden
Typhus (Salzburger medicin.-chirurg. Zeitschrift/ Jahrg. 1607. I I . Bd.),
den er ganz zum Gegenstande seiner Aufmerksamkeit machte, und dessen
Natur und Wesenheit er dergestalt-ergründete, daß er in der Behand-
lung desselben sich immer des besten Erfolges erfreuen konnte. 1810 gab
er heraus: Sicherungsanstalten und Bewahrungsmittel gegen anstecken»
de Nerven- und Faulfieber (Brunn). 1808 schrieb er die Glückseligkeits-
lehre für das physische Leben (Leiozig), neue Aufl. 1832, welcheSchrift
mit der Makrobiotik Hufe land's gleiche Tendenz, aber an Deutlichkeit
und Faßlichkeit unstreitig den Vorzug hat. Seine ausgezeichneten Ta-
lente, seine gründlichen und umfassenden Kenntnisse, sein unermüdeter
Eifer in der Erfüllung : er Amtspflichten entgingen dem Monarchen nicht,
und H. wurde 1811 als ordentlicher öffentlicher Professor der Patholo»
gie und Mateiia meciica an die Hochschule zu Wien berufen. 18l2
gab er eine vollständige Theorie des ansteckenden Typhus und dessen Be-
handlung (Wien) heraus. Wie musterhaft H. als Lehrer gewesen war,
bezeugen einstimmig alle, welche das Glück hatte», seine Schüler zu
seyn. Er gehört unter jene Männer, die zur Erhaltung und Beförderung
des Glanzes und Ruhmes der Wiener Hochschule, besonders in ihrer
medicinischen Facultät, in welcher sie einen der ersten Platze vor allen
Instituten Deutschlands einnimmt, viel beytrugen. Er wusite sich die
Liebe und-Achtung seiner Schüler nicht bloß durch seine gründlicheWissen»
schaftlichkeit, klaren, leicht faßlichen Vortrag, sondern auch durch den
Ernst, die Milde und Würde; Eigenschaften, die seinen Charakter
in einem hohen Grade zierten, zu erwerben. Er war seinen Schülern
mehr als Lehrer, er war ihnen Freund und väterlicher Rathgebcr.
1803 übemahm er die Redaction der medicinischen Jahrbücher der österr.
Monarchie, und zugleich jene der Abhandlungen und Beobachtungen aus
dein Gebiethe der gesammten practischen Heilkunde; von den ersteren er-
schienen unter seiner Leitung 8 B^nde, ^on den. letzteren 6. Im2.Ban-
de der Jahrbücher lieferte er selbst den Aufsatz: Beyträge zur Theorieder
Heilkunde; im 3: Der Lebenspvozeß; im 4. Bande: Die Heilung
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie