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hatte dieser ein »venig auf der Harfe klimpern gelernt, und übte
nun dieses Instrument zur Erholung in den Ruhestunden, indem
er zweystimmige Gesänge mit seiner Frau executirte, und dieselben
auf der Harfe begleitete. Den Eindruck, welchen diese musikalischen
Intermezzo auf des Sohnes empfangliches Gemüth hervorbracht-.n, war
so mächtig, daß er sich ihrer im hohen Alter noch mit Vergnügen
erinnerte, und die Melodien lebhaft im Gedächtnisse hatte. Dieß war
die erste Nahrung des reichbegabten Genius, und die Grundlage seiner
nachfolgenden Größe.'— Als der Knabe 6 Jahre alt war, besuchte der
Schullehrer von H^inburg seine Altern, deren Verwandter er war,
und hatte Gelegenheit, die vorzüglichen Anlagen des Kindes zu be»
merken. Er machte daher dem Vater den Antrag, ihn mit sich zu neh«
men, und ihm Unterricht in der Musik und den nöthigen Lehrgegenstän-
den zu ertheilen, welcher gerne angenommen' wurde. Nun zog H.
an den Aufenthaltsort seines Verwandten, und lernte da unter andern fast
alle Saiten-und Blasinsirumente, welches ihm nachmahls in seinen
Studien ungemein fördersam war. 3Iahre hatte er diese Übungen fortge»
setzt, als er in die Musikschule zu St. Stephan in W i e n kam,
wo er bis zum 16. Jahre blieb, und sich des Unterrichtes guterMeister
auf mehreren Instrumenten, vorzüglich aber im Gesänge zu erfreuen
hatte. Der einzige Gegenstand, welcher daselbst nicht gelehrt wurde,
war die Theorie der Musik, in welcher der Chordirector Reiter selbst
monathlich höchstens zweymahl dem Knaben einige Vorbegriffe beybrach«
te, so, daß der wißbegierige H. sich mit Selbstunterricht begnügen
mußte, und denselben aus den dürftigen Quellen, welche ihm zu Ge»
böthe standen, mit Lust und Liebe zu schöpfen suchte. Schon damahls
versuchte er sich in der Composition, obgleich er hierin ganz auf sein na-
türliches Talent, und auf die eigene Phantasie beschränkt war. — Um
diese Zeit mutirte H. und erhielt nunmehr seine Entlassung aus der
Churcapelle. Von diesem Augenblicke an war er sich selbst überlassen,
und mußte, ohne von seinen dürftigen Verwandten eine Hülfe anspre»
chen zu können, schon in diesem jugendlichen Alter sich durch seine musi-
kalische Fertigkeit seiu Fortkommen suchen. Bey dem Mcßner der Mi«
chaeler Kirche, Michael Spangler , im Stifthause, erhielt er
nochdürftige Unterkunft in einer armseligen Bodenkammer, fristete
sein Leben durch die kümmerlichste Nahrung und hatte nur eine ein«
zige Freude, ein altes, von Würmern zernagtes Clavier, bey wel-
chem er Tag und Nacht studnte, über demselben alle Sorgen der Wirk-
lichkeit in seligem Genuß vergessend. Zum Glücke bekam er zu jener Zeit
die Sonaten Eman. Bach's in die Hände, ein so gediegeneBMuster,
daß der Einfluß derselben auf H.'s künstlerische Richtung in allen seinen
Werken unverkennbar durchblickte.»—Ercompoiuite bald sein erstes Quar-
tett, dessen Erscheinung ungemeines Aufsehen erregte, ohne daß man den
Verfasser kannte. — Von nun an theilte er seine Stunden in Unterricht
und Composition. 1759 erhielt er die Stelle einesMusikdirectors beyder
gräfl. Morzin'schenCapelle, wo er endlich vor Nahrungssorgen gedeckt,
seinem Streben eine würdigere Richtung geben konnte. Obgleich diese
Anstellung nur von kurzer Dauer war, so ist sie doch dadurch merkwürdig.
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie