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Alles herbey, dem großen Meister für den Genuß zu danken, und ihm noch
langes, frohes Leben zu wünschen. Die anwesenden Damen krönten ihn mii
Rosen, und brachten ihn, zärtlich sorgend, an seine Porte-Chaise, iu wei-
cher er außer sich vor Rührung nachHause zurückgeschafft wurde. — Seit
derZeit welkte er noch auffallender dem Grabe zu, und nurfür Momente
fthienen noch Spuren seiner vorigen Kraft auflodern zu wollen. Sein
Lieblingsgesang, wie seine Lieblings-Composition war die erhebende
Volks-Hynme: „Gott erhalte Franz den Kaiser." In den letzten Ta-
gen seines Lebens sang er sie mehreremahle mit unendlicher Innig-
teit, und nahmentlich am letzten Tage dreymahl nach einander. Dann
war es, als ob seine letzte Kraft versiegt sey, und kein Laut kam
mehr über seine Lippen. Am 31. May 18N9 verlosch die Leuchte die-
ses grosien Mannes, welcher in einem Alier don 78 Jahren noch
immer zu früh für seine Bewunderer starb. — Eine Menge Medail-
len, Diplome und andere Auszeichnungen wurden dem großen Mei-
ster von allen Nationen als Beweise ihrer Verehrung und Bewunde-
rung gespendet, vor allen hielt er jedoch die Salvator-Medaille des
Wiener Magistrates und das ihm verliehene Ehrenbürgerrecht dieser
Hauptstadt, als ehrende Denkmahle der Anerkennung seines Vater-
landes werth. Die Zahl der von H. componirten Musikstücke über-
steigt bey weitem tausend, obschon er keineswegs mit Leichtigkeit arbei-
tete und in Anwendung der Feile und des sirengsten Selbsiscrutiniums
sehr gewissenhaft war. Ein Beweis seines ungeheuern Productionsver-
mögens und außerordentlichen Fleißes. Von seinem 18. bis zu seinem 73.
Jahre hatte H. folgende Stücke componirt. 118Symphonien, wor-
unter seine Militär-Symphonie, jene mit dein Paukenschlag-Andante und
endlich seine bekannte Abschieös-Symphonie die berühmtesten sind, einige
derselben sagen jedoch dem jetzigen Geschmacke nicht mehr zu. —163 S t ü-
cke für den Bardon (Bariton), ein mit 7 Saiten bezogenes Instru-
ment, an Gestalt fast der Viola di Gamba gleich, das Lieblingsinsiru-
ment des Fürsten Nicslaus Eszterhäzy. Diese Compositionen be-
stehen aus Divertissements für mehrere Instrumente, Duetten, Serena-
den und Concerten. — 50 Divertissements für verschiedene Instru-
mente. — C oncerte: 3 für Violine, 3 für Violoncelle.. 2 für den Con-
trabaß, 1 für. das v. Horn, 2 für 2 Hörner, 1 für Clarinett und 1
für die Flöte.—Kirchenmusik: 19 Messen, worunter, obschon sie
alle vortrefflich sind, die sogenannte Mariazeller Messe besonders auszu-
zeichnen ist. 4 Ossertorien, 2 äalv« regina, 1 Cantilene für den Ad-
vent, 1 I'sdeuin, 2 große kirchliche Chöre, 1 I^aucia 8inn öalvaw-
i-em und ein sehr schönes ätsba» inate?. — Kamme r m usik: 82 In-
strumental-Quartette, wodurch H. gleichsam der zweyte Schöpfer die-
ser Gattung Instrumentalmusik würd;, denn erst durch ihn erhielt sie
jene Anmuth und jene kunstreiche Verflechtung der Melodien, welche
den Kenner entzückt. Die meisten derselben sind durch Naivetät und Hu-
mor vortrefflich. 3 Concerte fins Clavier, 8 Direnissements für ve»>
schiedenc Instrumente, meistens mit Clavierbegleitung. !5 nungroßten-
thcils veraltete Claviersonaten, 1 Phantasie, 1 Caprice, mehrere va-
fürte Thema's, ^9 Eonaten für Clavier mit Violin- und Violoncell-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie