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aus den fernsten Gegenden kommen, und suchte das Geeignete für die
hiesige Gegend anwendbar und gemeinnützig zu machen. — Bald wurde
es ihm durch seine ausgebreitete Bekanntschaft auch möglich, eine große
Baumschule zu gründen, die über 6(10 der tresslichsten Obstanen lie-
ferte, deren manche noch ganz neu in dieser Gegend waren und ihm
auch reichlichen Absatz verschafften, welcher sich durch seine gediegenen
Kenntnisse jährlich mehrte. In dem 1813 gedruckten Cataloge seiner
Baumschule stehen allein 300 Apfel-, 280 Birnen-, 60 Kirschen-,
17 Aprikosen-, 54 Pflaumen-, 65 Pfirsich- und mehrere andere Obst-
arten verzeichnet. Auch besaß H. eine' reichhaltige Bibliothek, welche,
nebst vielen philosophischen und ästhetischen Werken, auch alle Werke
der ältern und neuern classischen Schriftsteller über Forstcultur, Acker-
bau, Pomologie und die gesammte Landwirthschaft enthielt. In einem
eigenen Zimmer des Schlosses hatte er eine Samen- und Früchte-
Aufstellung , aus den nur immer möglich zu bekommenden Oetreidearten,
Gräsern, Färbepflanzen,, Hülsenftüchten, Knollengewächsen, getrock-
nete Pflanzen in Scherben, Oartenfrüchten,, Blumen:c. bestehend, um
dieselben auch jedem Layen kenntlich und belehrend vor Augen zu stellen;
so enthielten auch seine Mustergärten den ganzen Sommer und Herbst
hindurch die schönsten Scherbenobstbäume in Hunderten von Töpfen mit
reichlichen Früchten systematisch neben einander stehend. Die großen wis-
senschaftlichen Verdienste dieses ausgezeichneten Mannes, der noch in
seinem Greisenalter jugendlichen, thätigen Eifer, gepaart mit ächter Hu-
manität, bewahrte, blieben aber auch nicht unbelohnt, mehrere wissen-
schaftliche Gesellschaften, so z. B. die k. k. Landwirchschafts-Gesellschaft in
Wien, dieLandwirthschafts-Gesellschaft von Steyermark, ernannten ihn
zum Mitgliede, das ökon. Institut Georgikon zu K esz th ely in Ungarn
zum Assessor. Die Erzherzoginn Mar i e Louise schickte ihm eine Me-
daille nebst vielen ganz neuen Obstarten aus ihren Herzogthümern.
Mehrmahls erhielt erBesuche von dem Kaiser Franz, welcher bekannt-
lich den botanischen Wissenschaften sehr geneigt war, und sich selbst mit
Garten- und Obstcultur beschäftigte, so wie auch von den Erzherzogen
während ihres Sommeraufenthaltes in Baden, auch genoß H. öfters
die Auszeichnung, zu den erzherzoglichen Tafeln gezogen zu werden.
Kein wißbegieriger Fremder verließ Baden, ohne H. besucht und
dessen großartige Anlagen gesehen zu haben, wo Jedermann immer die
freundschaftlichste Aufnahme und Belehrung fand. Bis in sein spätestes
Alter gleich thätig, noch in den letzten Monathen seines Lebens, von
Kränklichkeit und Alter gebeugt, nach Möglichkett mtt dcr Pflege, end-
lich nur mehr mit dem anschauenden Genusse seiner verdlenstvollen Schö-
pfungen beschäftigt, entschlief dieser würdige Mann den 10. Sept. 1826
in einem Alter von 78 Jahren. Leider blieben nach seinem allgemein be-
klagten Tode seine Garten und Anlagen verwaist, noch bis auf den
heutigen Tag eines Nachfolgers harrend, der H.'s großartige Schö-
pfungen in dessen Geiste erhalte.
Helmeczy, Mich., geborenden 27. Sept. 1792, siudlrte zu
Sätoral ja-Ujhely und Pesth, Hörte1810 Steph. Horvath's
außerord. Vorlesungen über die ungar. Philologie, ward ^1811 Doctor
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Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie