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534 Herberstein, Siegmund Frcyh. von.
und Landstein in Böhmen, Oberst-Erblandkämmerer und Tmchseß in
Kärnthen, geb. den 24. Dec. 1811.
Herberstein^ Siegmund Freyh. v., dieser berühmte vaterl.
Reisende war auf dem Schlosse Wippach am Karste 1486 geboren. Er
war so schwächlich, daß seine Altern ihn zum heil. Hause in Loretto
verlobten. Sein Bruder I oh an n unternahm mit dem zarten Knaben die'
Reise, wodurch dieser gesundete und erstarkte. Als Knabe erlernte er mit der
deutschen Sprache die windische, als Jüngling auf der Wiener Hoch-
schule mit allem Fleiße die lateinische; über das Wmdische und Lateini-
sche vielfach gehöhnt und bespöttelt vom Unverstände ist er durch Beydes
groß geworden. 1502 sagte er: „Ich bin Laccalaui-euz ai-tiiiin worden,
deß sich viel schämen, ich mich ader erfreue. O wie getreue Meister und
Unterweiser ich da gehabt, Gott geb denen Allen die ewige Freude zum
Lohn, Amen." Als unerschrockener und umsichtiger Ritter vertheidigte er
gegen die Venediger im Kriege der heiligen Liga Mährenfels und
Mi t terburg, so glanzend, daß ihn des Kaisers geliebter Freund,
Erich v. Braunschweig ehrte und liebte. Vor M arano, welche Fe-
stung Kaiser Maximi l ian nicht lassen wollte, und gälte es das
Äußerste, verjagte er, die große Strertfahne lustig schwenkend mit sei-
nem Bruder Georg, die Venediger, fing'lhren Anführer und befreyte
die geängstigt« Stadt (1514). Der Kaiser schlug ihn dafür am Sie-
gesfeste zu Innsbruck zum Ritter, begehrte ihn zum Diener und
setzte ihn in seinen Rath. Seine erste große Gesandtschaft war nach Dä-
nemark zu König Ch r i s t i e rn d e »«' G r a u s a m e n , dem Ur-
heber des Stockholmer Blutbades, der ungewiß, ob mehr verstrickt
durch der Dyvecke Reize oder durch den verführerischen Verstand
ihrer Mutter S i e,g b r i t t e, einer Gastwirthinn, Land und Leute
nach ihrem Willen regierte und seine Gemahlinn Isabel la, Schwe-.
ster dei nachmahligen Kaiser Carl V. und Enkelinn Kaiser Max imi-
l i a n's, schnöde behandelte. In der stiren Zelle eines Barfüßerklosters
sprach H. das erste Mahl den starken unbeugsamen König, und hielt ihm
ruhig und fest vor, wie er ungeschickt, unredlich handle, dem Kaiser
und seine- Freundschaft unleidlich. Der König antwortete höflich auswei-
chend, urd blieb ungeändert. Gehaßt und vom Throne gestoßen, nach
Dyveckes Vergiftung und Siegbritten's dunkelm Verschwinden,
mochte ih» Isabelle ns treue Liebe rührend das Herz beschleichen,
noch rühreeder und sehnsüchtiger nach ihrem Tode in 19jahriger harter
Gefangenschaft.. — Noch in demselben Jahre (1516) wurde H. nach
Rußland ge'chickt, weil die Königreiche ^Ungarn, Böhmen Croatien
und Dalmatien Friede hätten, im Westen des Kaisers Enkel, Carl,
26 Königreihe friedlich regiere, Portugal und England friedlich ge-
sinnt seyen, ',m Norden Ch ristiern über Dänemark, Schweden und
«Norwegen Ulangefochten herrsche, j-'der rastlose Feind Frankreich und
die leicht bewezlichen Staaten Italiens in Ruhe mit dem Reiche lebten,
mögedergroßelzarWasiilij Iwan o witsch Gott und der heil. Jung-
frau zu Lieb un> dem deutschen Kaiser zu Ehren die wilden Kriege mit den
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länger zu vertümuern versprochen hatten, gütlich beylegen, damit die
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie