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Herbert Ios. lLdl. v. — Herbert v. Ratkeal, Freyb. P. p. 557
Sein Freund und Vetter Wilhelm von Rogendorf hatte bey sei-
nem hohen Alter seine Ungeschicklichkeit zum Oberbefehle eingesehen, und
hatte H. angefleht, daß erden Konig bewege, ihm das hohe Amt ab-
zunehmen, er wolle gern auf eigene Kosten als Untergeordneter die-
nen. Die schwarzen Stunden waren gekommen, Ofen zu überraschen
mißlang, Ro gen dorf hatte den Tod gesucht und ihn gefunden; zwey
Herbersteine waren auch gefallen, und H. vertheidigte den alten,
sonst siegreichen Feldherrn, seinen unglücklichen und verkannten Freund,
in einer eigenen Druckschrift. Anmuthig war der Auftrag, den er hatte,
Elisabeth, die Tochter seines königlichen Herrn (1543) und deren
Schwester Catharina (1553) als Braute dem König von Polen,
Siegmund I I . August zuzuführen. Außer all diesen Neisen war er viel-
fach beschäftigt in fast allen Zweigen der innern Verwaltung, und er-
warb letztlich seinem'Hause (1556) die Würde eines Erbkämmerers und
Erbtruchseß von Karnthen. Seine geschwundenen Kräfte machten ihm
mehr Muße nöthig, die der geschäftige Greis verwendete, seine Schrif-
ten abzufassen, die sich in I?i«torii scriptor. rei-uin ?olon. in den
«r. Moscovit. etc. autor. befinden. Seine moscowitische Reise ist selbst«
ständig in mehreren Auflagen erschienen.— Achtzigjährig endete er 1566
kinderlos sein Leben, und stieg ruhmvoll unH geehrt ins Grab; der Erz-
herzog Carl von Steyermark widmete ihm in der Michaelskirche zu
Wien eine Ehrentafel, die das edle Gedächtniß H.'s, unstreitig eines
der größten Österreicher, der Nachwelt überlieferte.
Herbert, Ios. Edler v<, vormahls Jesuit, Magister der Phi-
losophie und Professor der Naturlehre und Experimental-Physik auf der
Universität zu Wien, seit 1784 Domherr zu S t. Stephanunderzbi-
schöfi. Consistorialrath, war geboren zu Klagenfurt am 2. Sept.
1725 und starb zu Wien 1794. Er schrieb: I'lieoi-iae pnaenoineno-
ruin elecücoi-um, Wien 1772; 2. Auflage, eb. 1778.—ve igne,
illius statum coinplexa, eb. 1773. —De ayuas aliorum-
nonnulluruin lluidaruln elazticitate, eb. 1773. Deal^re tiui-
fteri« ßenus perünentibus, eb. 1779. — Ve lontikus cei--
l, eb. 178N. — Abhandlung von den Streifen, Blattern und
Wellen in dem Krystallglase, in den Beyträgen zu verschiedenen Wissen-
schaften eb. 1775.
Herbert v. Ratkeal, Freyherr pet. Phi l . , stammte aus
einem edlen, im 17. Jahrhundert aus seinem Vaterlande vertriebenen
irländischem Geschlechte. Er war 1735 zu Constantinopel geboren,
vollendete in der Wiener orientalischen-Akademie seine Studien und
trat auf das Zureden seiner Lehrer zu Ende 1750 in den Jesuitenorden.
Nach! vollendetem 2 jährigen Noviziat kam er nach Leoben und von
danach Wien, in die Philosophie. Dann ward er (1753) als Pro-
fessor nach Triest und im folgenden Jahre nach Wien berufen und zwar
als Präfect uud Correpetitor in der Akademie der morgenländischen Spra-
chen. Die Theologie hörte er. 1754 — 59 zu Gral;. 1760 trat er
aus dem Orden und ging nach G ö rz. 1763 verlangte Fürst Kaunitz
vom Generalgouverneur einen in Rechnunqs- und Finanzgegenständen
wohlunterrichteten Mann, um eine in der niederländischen Kanzley zu
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie