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ling durch eine rege Empfänglichkeit für alles Schöne und Große der
classischen Literatur — besonders aber durch seine entschiedene Vorliebe
für das Studium der Geschichte aus. Nach vollendeten theol. Studien
und empfangener Priesterweihe kam er in die Seelsorge zu St. Vei t ,
blieb jedoch nicht lange ar.f diesem Posten, sondern wurde bald als Predi-
ger an dieHauptpfarre zuKlagenfurt berufen. Seine Volksreden und
seine wissenschaftliche Bildung erwarben ihm die Gunst des Fürstbischofs
von Gurk und Cardinals, Grafen Sa lm , der ihn zum Secretar
des Gurker Consistoriums ernannte. Als die Stelle eines Kanzlers bey
diesem Consistorium erledigt wurde, erhielt H. in Anerkennungseiner
Verdienste dieselbe, auf welcher er thätig fortwirkt. Sein Fleiß im
Aufsuchen historischer Urkunden, sein lebhaftes Interesse an Allem,
was zur Förderung der vaterländischen Geschichte führt, setne vielfälti-
gen Bemühungen, die noch unbebauten Felder derselben zu befruchten,
sichern ihm die gerechtesten Ansprüche auf den Dank der gelehrten Welt.
Den Beruf zum Historiker hat er bereits in folgende» Werken dargethan:
St. Veit, die vormahlige Hauptstadt Kärnthens, historisch-topogra-
phisch dargestellt. Klagenfurt 1827. — Klagenfurt wie es war und ist.
eb. 1832. Mehrere seiner historischen Abhandlungen befinden sick in der
kärnthn. Zeitschrift: Carinthia, und im Wiener Archive für Geschichten.
Seine Biographie des Geschichtforschers Hansiz in Pletz's neuer theol.
Zeitschrift (7. Jahrg. I. Heft. Wien 1834) enthält eine gründliche Be-
urtheilung der Werke dieses Gelehrten. Auch sammelt H. seit Jahren
den nöthigen Apparat zu einer Geschichte von Kärnthen.
Hermannstadt, Hauptstadt des Landes der Sachsen, im Her-
mannstadter Stuhle von Siebenbürgen, in einer großen Ebene am
Flusse Cibin, ist die schönste Stadt des Orosifürstenthums. Die ersten
Erbauer derselben sind Flamander gewesen, sie legten den ersten Grund
l160, und schon unter ungar. Herrschaft wurden ihr große Vorrechte
und Freyheiten eingeräumt. Der größte Theil der Stadt wurde in der
Mitte des 16. Jahrh, erbaut. — Sie theilt sich in die obere und untere
Stadt. An die untere Stadt schließen sich 3 Vorstädte an, und mit die-
sen zusammen zahlt H. 2,200 Haus. und 16,500 meist sächsische l»'d
.überhaupt deutsche Einw. (worunter 9,000 Protestanten). Es befinden sich
hier mehrere Kirchen, wovon die den Evangelischen gehörige gothische
Hauvtkirche mit dem 38 Kl. hoben Thurme, dem angeblich höchsten
Siebenbürgens, die evangelische Spitalkirche, die neue reformirte Kir-
che, die katholische Hauptpfarrkirche, und das Bethhaus der nichtunir-
ten Griechen mit einem schönen Säulenportale, die vorzüglichsten find.
H> besitzt auch mehrere Palläste und andere schöne Gebäude, z. B.das
B rucke nth a l'sche Palais (jetzt Museum, s. B ru ck enth a l) , die
große Caserne vor dem Heltauerthore, das alte Rathhaus mit dem säch-
sischen National-Archive, das Schauspielhaus auf der obern Wiese,
das lönigl. Waisenhaus u. a. m. H. ist der Sitz des siebenbürgischen
vereinten Cameral- und montanistischen Thesaurariats, des General-
Militärcommando für Siebenbürgen, des nichtunirten griechischen Lan-
desbischofs und seines Domcapitels, und vieler untergeordneter Ämter;
a,lch hält die sächsische Nation hier auf dcm Nc>thl>iuse ihre öffentlichen
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie