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566 Herrmann, Nened. Franz Jot).
bsterr.Crbstaaten angeordnetenConscriptio» verwendet. l?7? ward er in die
- fürstl. Schwarzenberg'sche Buchhalterey nach Wien berufen. Hier
wurdeihm bald darauf (in seinem 22. Jahre) dieAdministration der fürstl.
Hauptcasse anvertraut, die er 2 Jahre verwaltete, während welcher
Zeit wenigstens 3 Millionen bares Geld durch seine Hände gingen. Nei-
gung und Gelegenheit hatten ihn vorzüglich bestimmt, sick auf Minera-
logie und Bergwerkstunde zu verlegen, und er machte auf seine eigenen
Kosten, um sich in den Wissenschaften zu vervollkommnen, 1781 Rei-
sen durch verschiedene Gegenden von Deutschland, Italien und Ungarn,
wo er, so viel es ihm möglich war, die Berg- und Salzwerke, auch
Manufacturen und Fabriken besuchte, und mit den geschicktesten Män-
nern aus diesen Fächern Bekanntschaft machte. Er kam wieder nach
Wien zurück, und da er es mit den nöthigen Vorkennmissen in der
Physik, Naturgeschichte und Chemie unternommen hatte, sich auch
Kenntnisse von Handwerken, Künsten und Manufacturen zu erwerben, so
glaubte er damit (weil sich damahls dort noch niemand besonders auf dieses
Fach gelegt hatte) in seinem Vaterlande am besten sein Glück zu ma-
chen, und bath daher, eine ordentliche Lehrkanzel der Technologie bey
der Universität daselbst für ihn zu errichten. Dieses ward ihm aber von
der damahligen Studien »Commission, bey welcher Graf von Blume«
gen präsidirte, abgeschlagen, jedoch durch Hofdecrer vom 17. März
l7Ll erlaubt, außerordentliche Vorlesungen auf derselben zu halten,
nachdem er einen gedruckten Aufsatz über die Einführung des Studiums
der Technologie eingereicht hatte. Indessen war es vorzüglich in dieser
Periode seines Aufenthaltes in Wien!)' daß ihm die Gunst des Hof-
rathcs v. Bo rn , des Abbe Po da, K'ss^ ttachherigen Bergrathes Hai-
ding er, und desDirectors des k. k. Naturalien-Cabinetes, Stütz'/
zu Theil ward. Um dieseZeit hatte die ökonom. Gesellschaft in Wien einen
Preis auf die beste Bearbeitung über die Kenntniß des Mergels ausge-
setzt. H. warb um denselben, und hatte die,, Ehre, ihn zu erhalten,
ließ auch 1781 eine Schrift darüber drucken („Über die Frage :c>"). Dieß
flößte ihm einiges Vertrauen zu sich selbst ein, um so, mehr, da sein
Mitwerber, welcher damahls in Wi e n für einen großen Ökonomen galt,
nähmlich der fürstlich Passauische Hofrath von Entnersfeld, nur das
Acccssit erhielt. Dieser Aufsatz war seine erste scientifische Arbeit, die
gute Aufnahme desselben bestimmte ihn eigentlich zur Schriftstellerey.
Manche literarische Unannehmlichkeit veranlaßte ihn, seine außerordent-
liche Professur an der Universität in Wien vor der Hand aufzugeben.
Da er schon seit langer Zeit große Lust hatte, die berühmtes Salzwerke
bey Krakau zu sehen, so reiste er durch Mähren u»d Schlesie» dahin
ab. Die Bekanntschaft des Mineralogen v. K arosi, welcher damahls
mineralogische Untersuchungen bey Mo h il a anstellte, bestimmte ihn,
nach Warschau zu reisen, und eine ähnliche Veranlassung war auch
die Ursache, daß er von hier nach Preußen, Curland, Liefiand und
„ach St . Petersburg ging, wo er am Ende des Jahres 1781 an-
kam, und sogleich in vielen Häusern die beste Aufnahme fand. Die
kaiserl. Akademie der Wissenschaften daselbst ernannte ihn bald nach sei-
ner Ankunft zu ihrem Correspondenten mit Pension; nachdem M o st-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie