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H o f b i b l i o t h e k . 60l
liobände; das Gebethbuch Mariens von Burgund, Gemahlinn
Marimi l ia n's I., auf Pergament in lateinischer Sprache, mit bibli-
schen Vorstellungen in Miniatur und mit Gold und Farben verzierten
Blättern; Torq u a toTa sso's eigeneHaiidschriftseines zweyten epischen
Gedichtes: deru»alemme cnnczuistaw; ein Koran in Form einer gro-
ßen watschen Nuß mit schönster türkischer Schrift auf feinstem Pergament,
beym Entsatze Wiens 1683 erbeutet; das Original der berühmten
Peuting e r'schen Tafel lc. —Von Nyloq>i,a!>hien(Holzformschneidedru-
cken) vor Erfindung der Buchdruckerkunst: Zil)I!a paupei-um.^rs memo
ranäi. Vita 3cti. <loanni« etc. Histnria 5l:u proviclentia.
Nariae etc. Hartlieli dniromanlia. 8peculum numanae sal
leider regum seu vitae vavidis. Das 1?5a!teriuln des Johann
Faust u. s. w. —1809 ließ. Napoleon mehrere Bücher und Kupfersti-
che dieser Bibliothek nach Paris schaffen;sie wurden jedoch I814sämmt-
lich zurückgestellt. Die H. ist sowohl Einheimischen als auch Frem-
den zum Besuche und zur Benützung gewidmet. Neben dem Hauptsaale
befindet sich das geräumige Lesezimmer, welches von 9 bis 2 Uhr geöff-
net ist. Es befinden sich in demselben ein langer Tisch für ungefähr 30 Per«
sonen nebst einigen Nebentischen. Jedermann verlangt hier jenes Werk,
dessen er bedarf und kann sich aus demselben nach Gefallen Notaten und
Auszüge machen, wozu die nöthigen Schreibrequisiten vorbanden sind,
die Auswahl der Bücher ist jedoch nach den bestehenden Censurqesetzen
beschränkt. Geschlossen bleibt die H. alle Sonn- und Feyertage, 14Tage
lang zu Weihnachten, eb<m so lange zu Ostern, 8 Tage lang zu Pfing-
sten und endlich den ganzen Monath September, wo die jährlicheHaupt«
reinigung vorgenommen wird und zugleich die Studienferien eintreten.
Der Umstand, das; die Bibliothek Nachmittags nicht geöffnet ist, ver«
mindert ihre Benützbarkeit, besonders für eifrige, zeitötonomische Litera-
tunreunde, für Beamte, die eben nur Nachmittags Muße hätten. Eben
so ist das Lesezimmer schon viel zu klein; indeß ist seit einiger Zeit für
ein größeres Local vorgesorgt. Viel läßt übrigens noch der Bestand der
Cataloge zu wünschen übrig. Besondere Personen und Professoren kön-
nen Bücher gegen Empfangsbestätigung nach Hause haben. Das volle
Personal der H. besteht außer dem Präfecten aus 4 Custoden und 4 Scrip-
toren, gelehrte Männer, die sich zum Theil durch literarische Werke als
solche bemerkbar gemacht haben. Die neueste Zeit anlangend, so wurde
1791 der berühmte Gelehrte Michael Denis, erster Custos der H.,
diesem folgte 1800 der berühmte Historiograph Ioh. von Mül ler ,
Bibliothekpräfect aber war Freyherr von Ienisch, balddaraufFreyherr
von Ca rnea-Steffaneo, dann Graf Maximi l ian Ossolins ki,
erster Custos war Hofrath IoH.Vesq u e v. Püt t l ing en. Gegenwärtig
bekleidet Graf Mor iz von Dietrichstein die Präfectenstelle, der
die Musikaliensammlung bedeutend vermehrte und eine stattliche Auto-
graphensammlung anlegte. Erster Custos ist der Hofrath Ign. Franz
Edler von Mosel. — Der Eingang in die H. ist von linker Seite,
des Iosephsplatzes an der äußersten Seite des Gebäudes. Eine herrliche,
mit Brustbildern und alten Inschriften versehen« Treppe führt in den
großartigen Saal der Bibliothek; dieser ist 240 Fuß lang, 54 breit.
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie