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sich begeistert das Land in Masse, glühender Patriotismus belebte jeden
Einzelnen und der langst durch seine felsenfeste Anhänglichkeit an das
österreichische Kaiserhaus bekannte Sandwir th stellte sich an dieSpitze
des Aufstandes. Vom I I . bis zum 13. April l8«9 wurde fast ganz Tyrol
von den Feinden befreyt und 8UN0 Mann der besten feindlichen Truppen
von den Bauern gefangen. Noch am l2. April zwang H. ein bayerisches
Corps in der Nähe von Sterzing die Waffen zu strecken. Nach der
Befreyung des nördlichen und mittlern Tyrols von den Feinden zog H. in das
südliche und vertrieb auch von da den feindlichen General Baraguay
d' Hi l l iers. Zwar, als die Franzosen nach den Siegen bei Eckmühl
und Regensb u rg gegen Wien vordrangen, sielen die Bayern wieder
in Tyrol ein und nöthigten den österreich. General Chasteler, welcher
den Tyrolern zu Hülfe gekommen war, zum Rückzüge, sie wurden jedoch
durch die von feurigem Enthusiamus beseelten Insurgenten unterH.'s Anfüh-
rung zwey MahlimAngesichtderHauptstadtInnsbruck geschlagen und
-^gezwungen, Tyrol wieder zu räumen. Schon wollte sich H. mit einer
Menge Tyroler an die kaiserl. Truppen anschließen, welche Klagen»
fürt wegnehmen und dadurch die Verbindung Tyrols mit dem übrigen
Kaiserstaate wieder herstellen sollten, als nach der unglücklichen Schlacht
bei W agram den 12. Iuly der Waffenstillstand von Zn a y m geschlossen
und Tyrol gänzlich von den österreichischen Truppen geräumt wurde. In
der ersten Bestürzung hielt sich H. in einer Höhle des Passeyer Thales
verborgen, als jedoch die in Tyrol von allen Seiten eingedrungenen Feinde
den 3. und 9. Aug. durch das bewaffnete Volk unter Speckb a cher,
dem Kapuziner Haspinger und Peter Mayer geschlagen worden
waren, trat auch H. wieder kräftig auf und erklärte sich nun zum obersten
Anführer des für sein altes Recht und für seinen alten Herrn in Waffen
stehenden Landes. Am 13. Aug. kam es am Berge Isel aufs Neue zur
Schlacht, worin Marschall Lefebv re überwunden und gezwungen wurde,
Tyrol zu räumen, und H. zog bald darauf wieder siegreich in Inns-
bruck ein. Hier nahm er seine Wohnung in der Hofburg und stellte sich
an die Spitze der Civil-und Militärverwaltung im Nahmen des Kaisers,
ließ auch Münzen schlagen und legte sich den Titel Excellenz bey, dabey
verläugnete er c'ber niemahls sein einfaches Wesen, seine angeborne Demuth
und seinen Eifer für Gott uud Vaterland, auch führte er seine Würde
nur provisorisch. Unter diesen Umständen erscholl die Kunde von dem ge«
schlossenen Frieden zu Wien, welcher Tyrol wieder an Bayern überlie-
ferte. Das Volk, welches schon oft durch widersprechende Nachrichten
getauscht worden war, schenkte derselben lange keinen Glauben und war
noch immer zu verzweifeltem Widerstaude bereit, als schon mehrere feindliche
Heerhaufen in den Tyroler Bergen standen. H. hatte zwar nach Bekannt»
machung des geschlossenen Friedens dem Vicekönig von Italien seine Unter-
werfung eingereicht und in einer Proclamation das Volk ermahnt, die
Waffen niederzulegen; doch erschien bald ein zweyter Aufruf zur Wieder-
ergreifung derselben von ihm und er verwirkte dadurch die ausgesprochene
Amnestie. Bald darauf flüchtete sich H. mit seiner Gattinn, seinem vierzehn»
jährigen Sohne und seinem Secretär auf eine sehr hoch liegende Berghütte,
dasI o chgenannt, 4 Stunden nordwärts von Passey r gelegen. 2 Mo»
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie