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Hoftheater, k. k>, nächst der Burg.
rirte Burlesken oben auf und St r anitzky's Nachfolger, die in ihrem
Fache sehr berühmten Hanswurste Preh auser, Weifikern und
Kurtz (Bernardon) suchten dem regelmäßigen Schauspiele alle er»
denklichen Hindernisse in den Weg zu legen, bis sich endlich der Hof auf
thätige Weise der deutschen Schaubühne annahm. 1752 hob Maria
Theresia die bestehenden Theaterprivilegien auf und warf eine bedeu»
tende Summe zur Erhaltung der Theater aus, deren Leitung dem Gra«
fen D urazzo anvertraut wurde. Durch dessen und seiner Nachfolger
Bemühungen hob sich das deutsche Schauspiel, hatte jedoch noch immer
mit der Lust des Publicums an den ertemporirten Possen zu kämpfen, ob-
scho» bereits Hafner, Klemm und Heufeld Localstücke schrieben,
welche damahls allgemein gefielen, ja unter Affl iggio's Direction
drohte um 1770 das französische Schauspiel das deutsche fast ganz zu ver-
drängen, als Letzterem unverhofft in den Personen des auch um die Kunst
so hochverdienten Sonnenfels und des Freyherrn von Bender,
Retter erschienen. Ersterer verwendete sich mit Wort und Schrift, ent-
schlossen für das regelmäßige deutsche Schauspiel, Letzterer von dem gro-
ßen Gedanken beseelt, der Kaiserstadt, selbst mit Aufopferung seinesgan-
zen Vermögens, ein würdiges Nationaltheater zugeben, übernahm die
Leitung des deutschen Schauspiels, vermehrte die Gesellschaft durch vor-
zügliche Mitglieder, unter welchen St eigen t es ch, Stephanie der
Jüngere undDlle. Ja cquet,nachherigeMad. Ada mb erger, waren.
Graf K o h a r y , Nachfolger B e n d e r ' s , verwendete ebenfalls
bedeutende Summen auf die Emporbringung des Nationaltheaters. Die
glänzendste Epoche trat jedoch 1776 ein, in welchem Jahre Kaiser I o-
seph I I . , dec unsterbliche Beschützer aller Künste und Wissenschaften,
das Theater unter seinen unmittelbaren Schutz nahm; die italienische
Oper, das französische Schauspiel und das Ballet wurden entlassen, das
Burgtheater unter der Benennung: Hof- und Nationaltheater
für Rechnung des Hofes fortgeführt, und die Rollenfächer auf das zweck-
mäßigste besetzt. Für jedes angenommene und aufgeführte Stück erhielt
der Verfasser den reinen Betrag der Einnahme der dritten Vorstellung
als Honorar und wenn sich ein Mitglied der Gesellschaft in einer Rolle
vorzüglich auszeichnete, geschah es nicht selten, daß der großmüthige
Monarch ihm den ganzen Betrag der Tageseinnahmezum Geschenke mach-
te. Den 17. Febr. 1788 wurde das erste deutsche Singspiel: „Die Berg-
knappen," componirt von Umlauf, bey großemZudrang und mit allgemei-
nem Beyfall auf dem Nationaltheater gegeben. Von dieser Zeit an wech-
selten deutsche Opern mit Schauspielen ab; erst mit Beginn des jetzigen
Jahrhunderts wurden die Opernvorstellungen ausschließlich dem Theater
nächst dem Karnthnerthore zugewiesen. Unter der Regierung Kaiser Leo-
pold's I I . wurden die deutschen Hofschauspieler nach dem für die k. k.
Beamten und Diener bestehenden Normale pensionsfähig erklärt. Den
böchsten Glanzpunct erreichte das Hofburgtheater unter der Regierung
Franzl. und ist in der jetzigen Zeit unstreitig zur ersten Bühne Deutsch-
lands gediehen. Um diese Behauptung zu rechtfertigen, braucht es nur die
Nahmen folgender Mitglieder zu würdigen : Bergopzo omer, Brock-
mann, Eckhart genannt Koch, Lange, Mül ler , Ochsen-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie