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Hoftheater, k. k. nächst dem Kärnthnerthore. 621
berühmten italienischen Truppe, unter der Direction eines gewissen N i-
siori das Schauspielhaus nächst dem Kärnthnerthore erbauen, welches
das erste öffentliche Stadttheater war. 1712 nahmen nach Abgang die«
sei Gesellschaft, die deutschen Schauspieler Besitz von diesem Theater,
und nun wurden auf selbem meistentheils ertemporirte Stücke gegeben,
bis nach Erbauung des Burgtheaters 1741 sich der Geschmack etwas hob
und allmahlig auch regelmäßige Stücke eingeführt wurden, die abwech-
selnd in beyden Schauspielhäusern, jedoch noch immer mit hartem Kam-
pfe gegen die extemporirten Burlesken und italienischen Farben, gegeben
wurden. 1752 wurde dieses Hoftheater einer franzos. Schauspielergesell-
schaft eingeräumt, welche daselbst Vorstellungen mit sehr vielem Beyfalle
gab. Den 5. Nov. 1761 brannte es ab, wurde jedoch 1763 wieder neu
und schöner erbaut und abwechselnd mit dem Burgtheater zu deutschen
und frauzös. Vorstellungen benützt. Da 1776 durch Kaiser Joseph's
zweckmäßige Theaterreform das franzos. Schauspiel sowohl, als die Bal-
lete und italienischen Opern aufgehoben waren, wurde dieses Theater für
Privatunternehmungen bestimmt. Als sich allmahlig auch die deutschen
Opern die Gunst des Publicums erworben hatten, und die Ballete wieder
eingeführt wurden, wechselte dieses Theater aufs Neue seine Vorstellun»
gen mit dem Burgtheater, bis mit Anfang des jetzigen Iahrhundertes
Letzteres auf das recitirende Schauspiel beschränkt, Opern und Ballete
jedoch dem Kärnthnerthortheater zugewiesen wurden. Beyde Theater wa-
ren unter einer und derselben Dnection bis 1821, in welchem Jahre sich
Kaiser Fra n z bewogen fand, dasHofoperntheater, mit einem sehr bedeu»
tenden Zuschüsse anDomenico B a r 6aja zu verpachten, welcher aufs
Neue dieitalienische Oper mit ungemeinem Glanz uud einer Gesellschaft
der ausgesuchtesten Künstler einführte. 1826—27 blieb das Theater ge-
schlossen, 1828 übernahm der kunstsinnige Graf Gal lenberg die Lei-
tung desselben, war aber, obschon er für die Ehre des Hoftheaters das
Äußerste gethan hatte, durch Geldverhältnisse gezwungen, die Pachtung
schon 1829 wieder niederzulegen. Nach einer mehrmonathlichen kaiserl.
Oberleitung übernahm endlich der ehedem als Tänzer und Balletmeister
rühmlich bekannte Dupor t die Pachtung, in dessen Händen sie sich noch
gegenwärtig befindet. Seit der ausschließlichen Bestimmung dieses Hof»
theaters für Gesang und Ballet war es eine Pflanz- und Musterschule
der ausgezeichnetsten Talente und Leistungen zu nennen. Wir erinnern
nur an jene glänzende Epoche des deutschen Gesanges, wo die vorzügli-
chen Talente eines Weinmül le r , F o r t i , W i l d , V o g l , dann
einer M i l d er -Hauptm ann, Campi , Se id ler , Sessi , spä-
ter Grün bau m. Sonn tag:c. glänzten; nicht minder jener unüber-
trefflichen Leistungen der italienischen Sanger, der europäisch gefeyerten
Nahmen: Lablache, Fodor, Rub in i , D a v id , :c. so auch im
Fache der Choregraphie der Leistungen Au mer's und seiner beyden ta-
lentvollen Töchter, Roziers, derMi l l ie re , B rugno l i , Fanny
und Tyereje Elßler :c. und auch jetzt noch wird, obschon im beschränk-
teren Maßstabe, des Guten, ja selbst des Vortrefflichen viel gebothen,
besonders ehrenvolle Erwähnung aber verdient das vortreffliche Or-
chester, unstreitig das erste in Deutschland, dessen Mitglieder fast durch»
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie