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«32 Hollabrunn. — Hollar.
Herrschaft. Es besindec sich hier ein großes Lustschloß mit einem Fa-
sangarten , einem Küchengarten, einem Biberteiche und einem Wild-
äntenteiche, wo jährlich viele tausend Anten künstlich in Netzen ge-
fangen werden. Berühmt ist die große Merinosschäferey, welche so
viel zur Veredlung der Schafzucht in Ungarn beygetragen hat. Eii,
schöner Damm führt von hier über eine Stunde lang nach Göding
in Mähren.
Hollabrunn, niederösterr. Marktflecken im V. U. M. B. mii
einer Post und einer Pfarrkirche; dieser freundliche Ort theilt sich in
Ober- und Nieder- H.; hier siel 1805 ein Treffen zwischen den Franzo-
sen und Russen vor.
Hollar von prachna, Wenzel, ein naher Anverwandter des
Jakob von Prachna, und berühmter Kupferstecher, der zu Prag
l6l)7 geboren und auf Kosten seines Vaters, der bey dem königlichen
Landrechte angestellt war, in den Wissenschaften gründlichen Unterricht
erhielt. Da H., wie sein Vater, dem Pfalzgrafen Friedrich vom
Rhein als König von Böhmen gehuldigt, mußte er nach dem auf dem
weißen Berge von Ferdinand I I . erfochtenen Siege Böhmen räu-
men, und mit drückender Armuth kämpfen. Die Malerey, die er immer
geliebt, sollte nun seiner Noth steuern, und schon waren ihm einige
Gemälde recht gut gelungen, als ihn sein ehemahliger Lehrer im Zeich-
nen, der berühmte Mer ian , bewog, sich vielmehr auf die Kupferste-
cherkunst zu verlegen. 1625 erschien-von ihm das erste Werk in diesem
Fache: Der gekreuzigte Heiland, dessen allgem«n gute Aufnahme ihm
Muth zu ferneren Leistungen einflößte. Als er, um sich zu vervoll-
kommnen, mehrere Städte, als Frankfur t , Antwerpen, Cöln
besuchte, wurde er 1635 mit Lord Arundel , damahls englischen
Gesandten am kaiserlichen Hofe, einem großmüthigen Freunde der
Künste bekannt, dessen Unterstützung er seitdem genoß. Er hatte füroie-
sen Böhmens Hauptstadt, gleichsam als Denkmahl seiner Dankbarkeit,
aus dem Kopfe gezeichnet; bey seiner spätern Anwesenheit mit dem Lord
zu Prag aber nahm er sie nach dessen Wunsche von dem Berge Petrzin
aufs Neue auf. Zeichnung und Stich sielen zur höchsten Zufriedenheit
des Lords aus, und brachten dem Künstler bey Jedermann Ruhm. Er
begleitete dann seinen Beschützer nach England und ordnete dessen Bil-
dergallerie und Kupferstichsammlung. So wie er bey dieser Gelegenheit
die Werke der besten Meister studirte, so nahm auch durch die mittler-
weilevon ihm bekanntgewordenen Arbeiten sein Ruhm so sehr zu, daß
König Ca r l I . ihm den Unterricht seiner Prinzen im Zeichnen auf-
trug. Jetzt wollte Alles, Personen des königlichen Hauses, Damen
und Lords, so wie die Gelehrte» von seinem Griffel verewigt seyn.
Aber diese günstige Lage war von keiner Dauer. Die Unruhen,
Welche den König Carl Thron und Leben kosteten, brachen aus,Aru»-
del ward verbannt und währenddes Bürgerkrieges rangen die Künstler
mit Mangel. Ihm zu entgehen, ließ sich H. bey dem Regimente des
Marquis Winch ester als gemeiner Soldat anwerben. Er gerieth als
solcher in die feindliche Gefangenschaft; aus derselben befreyt, ging er
zu seinem Mäcen Arundel nach Antwerpen und arbeitete dort n'ir
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie