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Umfange und ansehnlichem Ertrage, obschon in früherer Zeit nebst zahl-
losen Waldfreveln die leichtsinnigste Forstwirthschaft Statt fand. Den
Flächeninhalt der Waldgründe gibt man im eigentlichen Tyrol auf
1,508,660 Joch an, deren jährlichen Ertrag auf 157,292 StämmeBau-
holz, 620,761 Klftr. Brennholz und 180,670 Klftr. Kohleuholz be-
rechnet wurde. Im Oberinnthale wird viel Holz gefällt und auf denInn
abwärts getriftet, doch muß noch jährlich viel aus Graubündten dahin ein-
geführt werden. Als Bauholz wird eine große Menge Stämme auf der
Etsch, Brenta und andern Wildströmen jährlich nach dem Venetianischen
verführt, nahmentlich wird die Marine in Venedig mit schönen Masten
versehen. In den entlegenen Wäldern von Sulzberg und Campi-
gl io werden die reinsten und schönsten Tannen und Fichten mit Handsä-
gen zu Resonnanzbretchen geschnitten und dann nach Italien verführt, wo
sie zur Verfertigung musikalischer Instrumente gebrauet werden. — In
Kra in sind dieWaldungen sehr ausgedehnt und liefern mehrHolz, alsdie
jährliche Consumrion des Landes verlangt. Oberkrain trägt gutes Bau-
und Zimmerholz, Innerlrain viel Brennholz. Auch gehen viel Lärcheil-
breter und Eichen aus Oberkrain zum Schiffbau seit einigen Jahren neuer-
dings über Fiume nach England. Der Flächeninhalt der gesammten Wal-
dungen Krains ist bey 850,000 Joch.—In Karnth en hingegen ist die
Klage über Holzmangel allgemein und schon alt; obschon die kärnthneri«
schen Waldungen auf 574,030 Joch und deren jährlicher Ertrag auf
29,529 Klft. hartes und 474,248 Klftr. weiches Holz angegeben wird,
so reicht Letzterer nicht für den großen Bedarf des Landes hin, da die
Wälder durch die vielen Eisenwerke, welche beynahe durchaus Holzkoh-
len zur Feuerung verwenden, hart mitgenommen werden und im Gebirge
oft viele verheerende Hol;frevel Stari haben. Die Waldungen bestehen
meistens aus Tannen, Fichten und Fohren, aus edenangeführter Ursa-
che sieht man jedoch in diesem Lande zahlreiche große und tleiue, ganz ab«
geblößte Waldplätze, selten alte schlagbare Strecken, hingegen eine ganz
unverhältnißmäßige Zahl und Ausdehnung von jungen, kaum halberwach-
senen Waldungen. — Im Küstenlande wurden die Waldungen lange
Zeit ganz verwahrlost, bis die venetianische Regierung die ansehnlicheren
derselben an sich brachte, oder die Oberaufsicht wegen des gegen Ersatz vor-
dehaltenen Schiffbauholzes in vielen Privatwäldern übernahm. Ein großer
Theil derWaldungen im GörzerKreise und inIstrien ist jetztcameralisch und
wird gut bewirthschaftet, welches mit Privatwäldern noch nicht der Fall ist.
Die Menge des hier gefällten Schiffbauholzes ist bedeutend, außerdem ge-
ben auch die Obst-, besonders Nuß- und Kastanien-, Maulbeer-und Oliven-
bäumegutes Werkholz für Tischler und Drechsler. — Die Lombardie be-
sitzt nur i» den gebirgigen nördlichen Theile Waldungen und entbehrt ihrer
in derEbene, wo nur kleineHolzungen vorkommen, fast gänzlich; weßhalb
man häusig dürres Reisig, Maisstengel, Srroh, SHilsrohr:c. als Brenn-
material verwendet. Auch gewähren die unzähligen Weiden und Pappeln,
womit in der Lombardie die Flüffc, Gräben und Raine beselzt sind undals
Kopfholz benülzt werden, einen nicht unbedeutenden Ersatz.—Im Vene-
li anischen find ebenfalls nur die Aloe» mit schönen Waldungen bedeckt
und in denNicderungen bedient man sich desselbenHurrogat-Brennmateri^-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie