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ren Heinbl und Vi ta l is Schon. Nach Beendigung dieser Studien
brachte er den 29. Sept. 1688 als Priester das erste Meßopferdar. Seme
freyen Stunden widmete er dem Studium der alten Classiker, vorzüglich
aber war er mit einem Index in alphabet. Ordnung über die Vortrage be-
schäftigt, die er von 1689—92hielt. Auf Anrathen des Arztes enthob ihn
der Abt Gregorius 1692 des Predigeramtes, machte ihm zum Vor»
steher des Archives, übertrug ihm das Ordnen der Urkunden zu Melk
und vertraute ihm überhaupt die Schätze dieses Stiftes. Zu dieser B?»
schäftigung kam noch eine andere. Es war der Wunsch des Abtes, daß
eine Geschichte von Melk verfaßt würde, weßhalb er H. auftrug, aus
den Urkunden und Monumenten von Melk, den Stoff zu dieser Ge-
schichte zu sammeln. Als er dazu geschritten war, lagen ihm überdieß
17N0—2 die täglichen Beschäftigungen eines Kämmerers ob. 1702 be-
gab er sich nach Wien, um daselbst archivarische Arbeiten zu verrichten.
Nach Beendigung derselben wurde er von dem Abte zu Göttweih aus«
gebethen, um das Archiv daselbst zu ordnen. Hierauf wollte sich H. zu
einer diplomatischen Sammlung nach eigener Idee anschicken, allein
kaum war er nach Melk zurückgekehrt, als ihn der Tod den 25. Aug.
1725 im 63. Jahre seines Alters überraschte. Er lebte immer streng nach
den Regeln, des Ordens, niemahls müßig, sondern immer thätig u»d
arbeitsam. Sein Werk: ^ustria ex gi-cliivisMellicensibuz illustrata,
Leipzig 1722, stellt ihn in die Reihe schätzbarer vaterländischer Hi-
storiker.
Huebmer, Georg, Gründer der Schwemm-Unternehmung im
Neuwalde und der Ansiedlung im Naßwalde aufdergrästichHoyos'schen
Herrschaft Hohenberg, kam 1784 aus Gosau im Salzkammergute
mit mehreren andern Holzarbeitern von der k. k. Gewerkschaft in Rei-
chen au berufen, nach Niederösterreich, um Holzschläge und Schwemm«
werke zu errichten. Den ungeheuren Bedarf der Residenzstadt Wien an
Brennholz zu decken, reichen die nahe gelegenen Waldungen nicht aus;
die entfernteren des Hochgebirges müssen dazu benützt werden. So wenig
Schwierigkeiten das Herbeyschaffen des Holzes in den Niederungen macht,
so bedeutend sind diese im Gebirge. Abgesehen, daß aus kaum zugängli-
chen Klüften, Schluchten und Berghängen das Holz gefällt werden und
ü» das Thal herabgebracht werdensoll, so muß es auch noch aus so weiter
Ferne nach Wien geführt werden. Dieß ist nun durch Wagentransport
unmöglich, indem leicht die Kosten des Füyrens den Marktpreis überstei-
gen dürften. Man oersiel daher schon längst auf den Gedanken, das im
Sommer gefällte und in Scheiter gespaltene Holz an die Ufer der Wild-
bäche zu bringen, und wenn diese im nächsten Frühjahre durch das Schnee-
wasser anschwellen, die Scheiter mit den Fluchen bis in die Nähe der
Residenz hinabzuschwemmen. — Die wasserreichen Thaler um den Schnee-
berg gaben auch treffliche Gelegenheit, die ausgedehnten gräfiichH oy ra-
schen Waldungen zur Schwemme zu benutzen. Aber dieß ist eben ln«
so leichtes Geschäft. In manchen Jahren fällt zu wenig Schnee, manche
Bäche haben zu wenig Fall :c., es werden daher Klausen und Rechen er-
fordert, um dem Wassermangel durch Schwellung zu Hülfe zu kommen
und das herabgeschwemmte Holz wieder aufzufangen. Diese Bauten for-
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Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie