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660 Hufnagel.
dern unumgänglich genaue Kenntniß der Arbeit selbst, so wie das der ört-
lichkeit. Von jeher zeichnete sich in diesen Unternehmungen derSchwemm-
meister Georg H. aus, der aus einem armen in den gräfi. Hoyos'schen
Holzschlagen verwendetenArbeiter, sich zu einem bedeutendenManne empor-
schwang. Er war es, welcher zuerst den Naßwald zugänglich machte, und
daraus jahrlich mehrere tausend Klafter Holz nach Wien brachte, die frü-
her unbenutzt verfaulen mußten. — H. errichtete auf eigene Gefahr die
immer für unmöglich gehaltene Schwemme auf dem Naßbache. Mit dem
Gelingen derselben war H.'s Glück gegründet. Er dehnte seine Unterneh-
mungen weiter aus, so daß er 1806 schon im Stande war, das Werk
bis Wiener-Neustadt zu verlängern und auf dem Canale zum ersten
Mahle Holz aus diesen Wildnissen nach Wien zu bringen. — Vor-
züglich erfreulich an dieses Mannes Wirken ist die Sorgfalt für das gei-
stige und physische Wohl seiner Arbeiter. Er ließ nicht nur ein Schulhaus
im Naßwalde erbauen, sondern er nahm auch die Besoldung eines Leh-
rers auf sich. Es ist unläugbar, daß H.'s Holzknechte an Bildung und
Sitte unter seiner Leitung bedeutend zugenommen haben. In ihrenHütten
Herrschi eine Nettigkeit, wie man sie bey solchen Menschen nur selten antriff/.
Obenan stand H.'s Schwiegersohn, der am 6. März 1835 verstorbene
Car l Fürchtegott Ti l l isch, der das Rechnungswesen der ganzen
Unternehmung fortführte, in dessen freundlichem Hause im Naßthale
das Blatt der Generalstabscharte mit dem Naßwalde zur Zierde des Zim?
mers diente, und wo ein ganzer Schrank voll gemeinnütziger Hausbücher
sich vorfand. Man wird hieraus den Geist eines Mannes ersehen, der
in seinen Verhaltnissen, in dieser Umgebung, Alles leistete, was er lei»
sicn konnte. Als k. k. privil. Schwemmmeister machte H. zuerst mitdem
Waldeigenthümer den nöthigen Vertrag; den Bauern kaufte er an Ort
und Stelle das Holz ab, welches er dann auf eigene Rechnung schwemmte
und verkaufte. War e^r wegen des Stockrechtes übereingekommen, so
schickte er seine Holzknechte ab, und der Schlag begann. Zuerst errichte-
ten sich diese ihre Hütten, je nach der Größe des Schlages und seiner
mehrjährigen Dauer mehr oder weniger massiv aus Pfosten. Ist Wasser
in der Nähe und hat dasselbe hinlänglichen Fall, so werden nach H.'s Vor-
gängen Rinnen aus starten Balken gebaut, in welche das Holz hinein-
geworfen und herabgelassen wird; ist aber kein Wasser zu benutzen, so
wird eine Eisrinne gebaut, welche, wenn es anfängt zu frieren, mit
Wasser besprengt wird, wodurch sie mit einem Glatteise sich überzieht,
auf welchem die Scheiter mit Blitzesschnelle herabfahren. Dieses ganze
wahrhaft lebensgefahrliche Geschäft hat H. mit der größten Ausdauer
durchgeführt und 1811—27 die kühnsten Durchschlage und Schwemmen
zu Stunde gebracht. So hat'ein schlichter einfacher Mann, dessen natür-
licher Scharfsinn aller wissenschaftlichen Bildung entbehrte, schwierige
Probleme gelöst und vielfältige Schwierigkeiten überwunden. Er starb
1833.
Hufnagel (Hofnagcl), Georg, ein berühmter Maler am Hofe
Rudolph's I I . Er wurde zu Antwerpen 1545 geboren, wo er schon
in seiner frühesten Jugend großen Hang zum Zeichnen und Malen
zeigce. Seine Kunststücke wurden in Deutschland bald so sehr bekannt und
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie