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Husiatyn. — Husslten und
ten ein Kem Huszar Aga, d. i. Hofgarderobier, vorkomme und sich der
Nahme also wahrscheinlich auf ihre eigene, kurze, enge Kleidung im Ge-
gensatz mit der gewöhnlich magyarischen, welche nach orientalischer Sitte
weit, lang und gemächlich ist, bezöge. Gewiß ist, daß die Husaren
zuerst als berittene Landwehre unter König Mathias Corvinus
1458 eingeführt wurden. Ihre ursprüngliche enge Tracht verwandelte sich
auch in der Folge mehrmahls, ihre jetzige, vorschriftmäßig festgestellte
besteht in einer kurzen Jacke, die mit Pelzwerk und Schnüren besetzt ist,
und worunter sie einen ebenfalls mit Schnüren reich verzierten Dollman
tragen. Im Sommer wird der Pelz ausgezogen und an einer Schnur
hängend über die linke Schulter geworfen. Die Beinkleider sind eng und
reich mit Schnüren und Borten besetzt, ferner tragen die Husaren enge
ungar. Stiefel mit Quasten. Ihre Kopfbedeckung bestand früher in hohen,
spitzigen von Filz, Pelz, Tuch u. dgl. verfertigten, sogenannten Husaren»
mutzen, von welchen unten ein Flügel losgeheftet werden konnte, umso
herunterhängend den Kopf und Nacken gegen Säbelhiebe zu schützen. In
neuerer Zeit wurden dafür allgemein die Czako's eingeführt. Eine beson-
dere Eigenthümlichkeit derHusaren ist die Säbeltasche, ein taschenförmigcs,
ledernes, mit breiten Borten und dem Nahmen des Landesfürsien geziertes
Behältniß, welches neben dem Säbel hängt und worin der H., da ihm
andere Taschen ganz fehlen, Schnupftuch, Tabakspfeife:c. aufbewahrt.
Die Farbe der Jacke, des Dollmans und des Beinkleides ist nach den Re-
gimentern verschieden. Die Waffen bestehen aus einem krummen Säbel,
Pistolen und einem Carabiner. Der Husarendienst umfaßt vorzüglich
den sogenannten kleinen Krieg, Vorposten-, Patrouillendienst, Überfälle,
Nachsetzungen lc. Die Husaren- Escadron besteht nur aus einer Compagnie,
im Gegensatze jener anderen Eavallerie, die doppelt so stark ist. In neue-
rer Zeit wurde diese Art leichter Cavallerie von den übrigen europäischen
Mächten, in Bewaffnung und Kleidung mit mehr und weniger Glück
nachgeahmt. Auch besitzen viele Cavaliere, besonders ungarische, soge-
nannte Leibhusaren, mit sehr geschmackoollgewähltem Costüme, auch diese
Sitte wurde an mehreren deutschen Höfen nachgeahmt.
Huslatyn, galiz. Städtchen im Czortkäwer Kreise, mit einem
Schlosse, am Flusse Podhorce, und 1550 Einwohnern.
HussinetZ, böhm. Flecken im Prachiner Kreise, mitLONEinw. und
kathol. Pfarre, Geburtsort des Johann Huß (s. d.).
Hufsiten und Hussitenkrieg. Die freye» Lehren von Huß
hatten in Prag Aufsehen gemacht und ihm Anhänger erworben. Mit
ihm übereinstimmend dachten besonders H i-ero n ym us von Prag und
die meisten Böhmen, die seine den Kelch im Abendmahle verlangenden
Lehren vom Katheder herab vortrugen. Seine Anhänger ließen sich selbst
nicht 1412 durch den papstlichen Bannstrahl gegen Huß, von deu Leh-
ren desselben abwendig macheu, doch blieben sie damahls noch ruhig. Als
aber Huß 1415 zu Costnitz verbrannt worden war, sahen dies; die
böhmischen Großen, die vergebens sich bestrebt hatten, den Kaiser S i eg-
Mund zum Halten des dem Huß gegebenen Geleitsbriefs zu vermö-
gen, und das böhmische und mährische Volk als eine Nanonalbeli-i-
digung, ja als eine Wirkung des Hasses der Deutschen gegen die Pöh-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie