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670 Hussiten und Hussitenkrieg.
richt mild zu nennen war, nicht an; allein dem Ziska waren dieseFor-
derungen noch nicht streng genug, er verlangte noch in 12 Artikeln die
Zerstörung der unnöthigen Kirchen, Altare, Bilder und Zierrathen,
den Tod auch gegen andere Todsünden, unter die er das Trinken in
Schenken und die Hoffahri in Kleidern und Wesen rechnete, und glaubte
die dagegen Sündigenden mit dem Schwerte selbst umbringen zu müssen.
Anfangs erhielt er die Oberhand, und setzte statt des entsetzten Prager
Magistrats einen neuen ganz nach seinen Grundsätzen ein, später mißfiel
aber den Pragern sein Zerstören der Kirchen und Kloster, sie widersetz-
ten sich, und unwillig hierüber zog Ziska von Prag ab, und verheerte
von Neuem auf dem Lande die Klöster und Besitzungen der Katholiken
mit unerhörter Grausamkeit wüthend. Durch jene 4 undZi s ka's 12Ar-
tikel ward die Trennung der H. ausgesprochen, sie theilten sich in die
strengern, grausameren Taboriten unter Ziska, und die milderen
Calirtiner oder Prager. Neben beyden bestanden noch die Orebiten,
(Horebiten), Bauern, die einen Berg, auf dem man vormahls Gottes
dienst hielt, Oreb (Horeb) genannt hatten, und sich hiernach den
Nahmen gaben, die auch nicht weniger wüthend als die Taboriten ver-
fuhren. Nach der Eroberung des Wissehrad unter H ussin etz und nach
dessen Tode ward die Uneinigkeit unter den H. immer größer. Vorzüglich
brach sie auf dem Landtage zu Czaslau aus, wo man die 4 Anilel
allgemein annahm, Sieg mund des Throns verlustig erklärte und
die Krone von Böhmen, welche Wla disl aw Iagel lo , König von
Polen, schon ausgeschlagen hatte, dem Prinzen Sieg mund Koribui,
Bruder des Großfürsten Wito ld von Lithauen anboth. Ziska setzte
sich mit seiner ganzen Macht gegen diesen Schritt, wahrscheinlich weil er
selbst nach der Krone strebte. Nur wenn dem gemeinen Wesen Gefahr
drohte, vereinigten sich die Parteyen der H., so im Aug. 1421, um die
in den Norden Böhmens eingefallene Reichsarmee unter Friedrich dem
Strei tbaren zurückzutreiben; im Dec. desselben Jahres, umden gs-
genCzas lau vordringenden Siegm und zu schlagen, was dem nun ganz
blinden Ziska, nachdem er beynahe ausgehungert worden wäre, auch
bey Deutschbrod (8. Jan. 1422) wirklich gelang. Im Sommer die-
ses Jahres kam Prinz Koribut von Lithauen in Böhmen an, um die
angebothene Krone anzunehmen. Ziska und der Landadel wollie aber
diesen König nicht anerkennen, es kam daher zwischen den Taboriten und
Calixtinern, die für Koribut waren, zum Krieg, der jedoch, da
Koribut von seinem Lehnsherrn Wladlslaw, König von Polen,
auf Bitten des Kaisers zurückgerufen wurde, bald wieder endigte. Kinz
daraufbrach er jedoch, da die Taboriten sich eine Plünderung in P rag
«rlaubt hatten, und Koribut wieder nach Böhmen zurückkehrte, von
Neuem aus. Ziska belagerte 1424 Prag und zwang es, ihn um
Gnade zu bitten. Von Koribut war nun nicht mehr die Rede (er w^d
spater von den Pragern gefangen gesetzt, und 142? nach Polen zurück-
geschickt). Ziska's Ansehen wuchs aber so, daß der Kaiser ihm Friedeus-
vorschläge unter der Bedingung, daß er Statthalter bleiben solle, machen
ließ. Was Ziska darauf geantwortet, ist ungewiß, denn er starb kxrz
darauf an der Pest. Nach seinem Tode zerfielen die bis jetzt durch sein
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie