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672 Hussitcn und Hussitenkrieg.
schlagen, so wurden sie nun um so thätiger und 1431 fiel ein 130,000
Mann starkes Heer, bey dem der Cardinal-Legat Ju l ian Cäsarinus,
die Churfürsten von , Cöln und Sachsen, einige Herzoge von Bayern
und mehrere andere Fürsten sich befanden, und das von Fried«
r i ch, Churfürsten von Brandenburg, geführt wurde, in Böhmen ein
und lagerte bey Tau ß, die Diversion erwartend, die Erzherzog
Albrecht von Österreich nach Mahren machen wollte. Kaum war in»
dessen die Nachricht von dem Anrücken der Böhmen erschollen, als das
Heer feig aus einander lief und 11,000 Mann erschlagen wurden. Der
Kaiser sah endlich, daß Gewalt nichts ausrichte und begann nun ernstliche
Unterhandlungen, die vor dem Concilium zu Basel gepflogen werden
sollten. Mißtrauisch verweigerten es anfangs die Böhmen, vor diesem
Concilium zu erscheinen, endlich sandten sie (1432) doch Gesandte, an deren
Spitze Procop der Große stand, und welche die Prager 4 Artikel
als Grundlage ihrer Lehre aufstellten; man stritt sich hin und her, kam
jedoch nicht zum Ziele. 1433 gingen dagegen Abgeordnete des Conciliums
nach Prag, und wußten, indem sie sich auf die Seite dergemäsiigten, den
Frieden herzlich wünschenden Calirtiner wendeten, auch mehrere hussiti-
sche Geistliche durch das Vorgeben, ihnen Pfründen verschaffen zu wollen, ge-
wannen, die Spaltung dieser mit den Taboriten und Orebiten klug zu
mehren. Endlich kam es den 30. Nov. 1433 zum Abschluß eines Verglei-
ches, der sogenannten Prager Compactaten, durch den die Calixtiner in
Vielem nachgaben, und besonders auf die beyden letzten Puncte der Pra-
ger 4 Artikel nichr weiter bestanden. Die Taboriten und Orebiten wi-
dersetzten sich indessen; ein Landtag zu Prag, auf dem die Calixtiner
den Papst als Oberhaupt anerkannten, brachte 1434 den Streit zum offe,
nen Ausbruch; es kam zum Kampf, und die'Calixtiner schlugen vereint
mit den böhmischen Katholiken die Taboriten und Orebicen am 30. May
1434 unter Meinhard v. Neuhaus bey Böhmisch- Brod, wobey
beyde Procope blieben. Die Reste der Taboriten wurden in den festen
Platzen eingeschlossen, mußten diese nach und nach, selbst Tab o r, über-
geben und sich ruhig verhalten. Die Böhmen erkannte.« nun auf einem
Landtage zu Prag 1435 Siegmund als König an und legten ihm
für das Land und die hussitische Lehre sehr günstige Bedingungen vor,
die er auch 1436 zu I g l a u beschwor. Die Böhmen wurden hierauf,
da auch die katholischeKirche ihnen, nachAnuahme derCompactaten, den
Kelch im Abendmahl und mehrere andere Freyheiten zugestand, vomKirchen«
bann feyerlich losgesprochen und huldigten dem Kaiser. Dieser hielt in-
dessen sein Versprechen nicht, sondern setzte diesem zuwider einen katho-
lischen Erzbischof zu Prag ein und that alles Mögliche, um den katholi»
schen Glauben wieder in Böhmen einzuführen. Dieß erregte neue Un-
ruhen und diese währten fort bis an Siegmund's Tod 1437. Unter
Albrecht I I . , der nach Sieg m und zum König gewählt wurde, war
ziemliche Ruhe und eben so nach dessen Tode 1439. Während der Un-
mündigkeit seines Sohnes Ladislaus verwaltete Böhmen eine aus
H. bestehende Regentschaft, und der letzte von diesen, Georg P o di e-
brad ward, als Ladislaus jung starb, 1458 zum König gewählt.
Er war Calirtiner, und unter ihm genoß daher seine Religionspartey
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie