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Lederfabrikation und Handel. 379
Commission, im darauf folgenden Jahre wurde er Kanzleydnector bey
dem Hofmarschallamte und übernahm zugleich als Regierungsrath ein
Referat bey der niederösterr. Regierung, und als 1807 dieStadthauvt-
mannschaft in Wien organisirt wurde, verlieh ihm der Kaiser die wichtige
Stelle des Stadthauptmanns mit dem Titel und Range eines Hofrathes.
Auch bekleidete er die Stelle eines Ober-Landescommiffärs 1305 bey der
russischen und 1809 bey der österreichischen Armee. In diesem Jahre
wurde er vom Kaiser mit dem Leopold-Orden belohnt, und von der
Akademie der bildenden Künste zum Ehrenmitgliede aufgenommen. Er
starbin Wien am 31. März 18l0.
Lederfabrikation und Handel. Dieser Erwerbszweig hat im
österr. Staate bedeutende Ausdehnung erhalten und es ist wohl keine ein-
zige Provinz, welche nicht mehrere Gerbereyen aufzuweisen hätte. In
Wien allein sind mehrere bedeutende Lederfabriken und Gerbereyen; hier
erzeugt man auch sehr schönes und gutes Alaun- und Samisch-Leder.
Nebstdem sind in der Umgebung Wien's ebenfalls Lederfabriken von Be«
deuturg.—In Osterreich ob derEnns ist die Oerberey wohl allge-
mein verbreitet, beschränkt sich jedoch größtentheils auf kleinere Werk-
stätten. Im Allgemeinen wird in dieser Provinz mehr Oberleder als
Pfund- oder Sohlenleder verfertigt. Eine Fabrik in Wels verfertigt
gewalkte Stiefelschafte nach englischer Art; sehr schön ist das Sämisch-
leder aus Salzburg.— In Böhmen und Mahren sind bedeutende
Lederfabriken, besonders erwähnenswerth ist jene der Carl Ign. Lett-
mayer'schen Erben zu Brunn, welche ohne Zweifel eine der größten
im österr. Kaiserstaate ist. — In Steyermark hat sich die L. seit
mehreren Jahren bedeutend vermindert, in der untern Steyermark
gibt es indessen wenige Städtchen und Flecken, die nicht einen oder zwey
Gerbermeister hätten. — In Ty ro l verdient die Lederfabrik zu
Rover edo wegen ihrer vortrefflichen lohgaren Leder und der schönen
Maroquin- und S^fnanleder, mit Auszeichnung'erwähnt zu werden;
auch sind die Gerbereyen in Botzen nicht unwichtig, welche besonders
seit 1822, wegen des vermehrten Absatzes nach Italien, in Aufnahme
gekommen sind. — Im lombard.-venetianischen König reiche,
wo früher die Lederfabrikation sehr zurückstand, sind seit mehreren Jah-
ren Fabriken errichtet worden, deren Erzeugnisse zum Theil vorzüglich
genannr werden müssen. —Dalmatien besitzt mehrere Gerbereyen,
welche lohgahres Leder, Corouan :c., aber in unzureichender Menge
verfertigen. Das auf deutsche Arr gegerbte Sohlenleder ist schlecht. In
Ungarn ist die Fabrik zu Pesth besonders erwähnenswerth. In den
Comitaten gibt es eine große Menge.von Gerber-Werkstätten. Das
Preßburger Sohlen- und Oberleder ist seiner Gute wegen in Ungarn be-
sonders berühmt.—Sieben bürg en und dieBukowina haben in der
Bearbeitung des Saffian- und Corduan eders große Fortschritte gemacht.
Nicht unwichtig ist die Gerberey auch in den Militärgränzen, am bedeu-
tendsten in der slavonischen. — Der inländische Verkehr mit Leder ist
vorzüglich lebhaft zwischen Ungarn und Wien. Überhaupt geschehen
von Wien aus in alle Theile des österr. Staates Versendungen von
allen Ledergattungen, besonders den feineren, wie z. B. Brüsseler Leder,
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie