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Leopold V., d.Freygebige.—LeopoldVI., d. Lugendhafte. 407
gang gottseliger Männer, und beschäftigte sich mit der Lesung geistlicher
Bücher, besonders des neuen Testamentes, wodurch sein der Andachz
ergebener Sinn stets mehr genährt und befestiget wurde. Nach dem Tode
seines Vaters übernahm Leopold 1096 die Regierung über die östliche
Mark von Bayern. Seine Gemahlinn Agnes, Kaisers Heinr ich IV.
Tochter, wurde Mutter von 18 Kindern, und war mit ihm von glei-
cher Gesinnung und Tugend. Sie bauten Gotteshäuser, und stifteten
Klöster. Das Chorherrenstift des heil. Augustin's zu Klo stern eu-
bürg, und das herrliche Cisterzienserkloster zuH ei l ig enkreuz mit ihren
Kirchen sind ein Werk ihrer Liebe. Das Benedictinerkloster zu Melk
beschenkten sie reichlich, und machten den Anfang zum Bau der Kirche zu
Mar ia^Ze l l in Steyermark. Von L.'s großer Demuth zeigt wohl
am meisten seine dreymahlige Ausschlagung der kaiserlichen Würde auf
dem Wahltage zu Ma inz 1125. Er starb den 15. Nov. 1136. 1484
wurde er den Heiligen beygezählt, und seine Tugenden den Gläubigen
nebst seiner Anrufung zur Nachfolge empfohlen. Im Erzherzogthum
Osterreich wird sein Sterbetag als Fest begangen, besonders zu Klo-,
sterneuburg.
Leopold V., dep Freygebige, aus dem Bäbenb erg'schen
Hause, Markgraf von Osterreich, geboren den I. Jan. 1l08, Sohn
und Nachfolger des Vorigen, gelangte 1136 zur Regierung. Er ver-
mählte sich mit der böhmischen Prinzessinn M a r i a , Tochter So-
b ies law l . , und erhielt 1139 von Kaiser Conrad I I I . das
Herzogthum Bayern, da Heinr ich der Sto lze (ein Schwestersohn
Kaiser L o t h a r's-II.) durch seine Empörung sich des Besitzes des säch-
sischen und bayerischen Herzogthums verlustig machte. Allein He in-
rich's des Sto lzen Bruder, W e l f , welcher durch seine großen
Besitzungen in Schwaben mächtig war, widersetzte sich. Er batte die
bayerischen Grafen von Scheyern auf seiner Seite, welcye dem
Markgrafen L. die ruhige Besitznahme von Bayern erschwerten. Nach
einem kaum gestillten Aufruhre, den Ot to von Mit telsbach er-
regt hatte, fiel L. zu Regens bürg in eine Krankheit und starb I14l
im Kloster Alt-Aich kinderlos. Sein Bruder Heinrich I I . Iaso-
mirgot t war sein Nachfolger.
Leopold V I . , der Tugendhafte, ein Babenberger, Herzog
von Osterreich und Steyermark (als Letzterer I I . ) , Sohn und Nach-
folger H ein rich's I a so mirgot t , ward geboren 1157, und trat die
Negierung 1177 an. Er rüstete sich 1181 zur Fahrt nach Palästina,
und brachte ein großes Stück des heil. Kreuzes vonIerusa lem mit,
welches er dem Kloster Sattelbach schenkte, wovon dieses seinen
heutigen Nahmen H eil igen kreuz erhielt. Auch führte er eine
Colonie Tempelritter in Osterreich ein (1186). — Um diese Zeit wurde
Osterreich mit dem Herzogthume Steyermark vergrößert, welches der
letzte steyerische Herzog Ottokar V I . an L. V I . vermachte. In
einer feyerlichen Versammlung der Landesedlen von Steyermark an
dem St. Georgenberge (unweit Enns) erklärte Ot tokar V I . ,
auf den Fall seines unbeerbten Todes , L., der sich persönlich da-
bey eingefunden hatte, zum Erben und Nachfolger in dem Herzog«
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie