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408 Leopold V I I . , der Glorreiche.
thume Steyermark, welches nach seinem Willen immer mit Osterreich
vereinigt bleiben sollte. Da nun Ottokar wirklich 1192 an einem un-
heilbaren Aussatze ohne Nachkommen starb, so ging Steyermark an L.
über. — Damahls entflammte die Eroberung der Stadt Jerusalem,
welche der ägyptische Sultan, Sa lad i n , den Kreuzfahrern weg-
nahm, den Enthusiasmus der Christenheit zum dritten großen Kreuzzu-
gs (1139). Kaiser F r i e d r i c h I. führte die Scharen der deutschen
Kreuzfahrer. Mit ihm zog Ber tho ld I I I . von Meran. 1191 kam
L. in Palästina an, und erhielt, nach Kaiser Friedrich's I. Tode,
der auf dem Kreuzzuge in Klein-Asien starb, den Oberbefehl der deut-
schen Kreuzscharen. — Auch die Könige Ph i l i pp I I . von Frankreich
und Richard Löwen herz von England, waren mit ihren Kreuz-
scharen in Palästina angelangt, und belagerten die Festung Accon
(Ptolemais) schon ins zweyte Jahr, wo sie endlich erobert wurde
(1191). Herzog L. und die tapfern Österreicher waren die ersten
auf den Mauern, und pflanzten ihre Fahne auf einem Thurme auf;
aber Richard Löwen herz, der ebenfalls einer der Ersten die Mauern
erstieg, ließ sie herabreißen. L. rächte diese Beschimpfung nach seiner
Rückkehr durch die Richard's, welcher, als Tempelritter verkleidet,
durch Osterreich zurückkehrte, aber auf dem Erdberge (damahls einem
Dorfe, jetzt einer Vorstadt) bey Wien, welchen L. den Templern ge-
schenkt hatte, erkannt und nach Dürrenstein in Verhaft geführt
wurde, worauf ihn der Herzog an Kaiser Heinrich VI . auslieferte.
— L. starb 1194 zu Grätz an den Folgen eines Beinbruches, den er
bey einem Turniere durch einen Sturz vom Pferde erlitten hatte. Er
wurde im Kloster Hei l igenkreuz zur Erde bestattet.
Leopold V I I . , der Glorreiche, Herzog von Osterreich und
Steyermark (als Letzterer I I I .) aus der B a ben b e rg'schen Dynastie, gebo-
ren am 15. Oct. 1176, folgte seinem Bruder, Friedrichl. d emKa«
tholischen 1193inderRegierung. Ersorgte im Innern seiner 2 Herzog-
thümer für Bürgerrecht und Städtewohlstand und ward in ausländischen
und weltgeschichtlichen Angelegenheiten seiner Zeit mit großer Bewunde-
rung genannt. Er ist von allen Babenbergern der berühmteste geworden.
Würde, Hoheit, Größe machten ihn an den Enden Europa's, sogar in
Asien und Afrika ruhmvoll im Kriege, doch erkannte er die höhere Be-
stimmung des Fürsten in der Gesetzgebung. Wien/ die Donauköniginn,
welche unter den Städten Deutschlands mit Cöln am Rhein den er-
sten Platz theilte, erhielt von ihm das niedergeschriebene Stadtrecht, an
dessen Spitze er folgendeWorte setzte: „Die Ehre und Glorie der Fürsten
verbreitet sich durch den Frieden und Wohlstand der Unterthanen. Der
Nahme des Herrschers wird heilig der Nachwelt, wenn Milde derHaupt-
zug seines Herzens und Rechtsinn der Schirm der Bürger war. Durch
Erfindung weiser Gesetze und Bestätigung guter Gewohnheiten gewinnt
sich das Heil und die Seligkeit bey Gott." — L. erweiterte die Mauern
und verstärkte die Festungswerke Wien's, wirkte aber für Sicherung
und Verschönerung der Stadt, durch den Geist seiner Gesetze. Wien's
Bürger zählten ihr Geld nicht mehr, sondern wogen sich's zu oder rechne-
ten nach Schüsseln voll Gold oder Silber. Hundert Männer standen ver-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie