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Leopold V I I . , der Glorreiche. 40.9
theilt in den Straßen, um vor ihnen jeden wichtigen Kauf ober Han-
del abzuschließen; sie stellten ein lebendiges Hauptbuch vor. Als eigentli-
che Richter und Ordner wählte man aus den unbescholtensten und treff-
lichsten Bürgern 24 Rathsmänner. Die Handelsleute aus Passau, Re-
gen sburg und Schwaben mußten ihre Waaren nach dem sogenann-
ten Stapelrechte in Wien feilbiethen, ehe sie damit nach Ungarn gehen
durften. Zur Sicherung des Vermögens bey Todesfallen verordnete man
die Übernahme der Verlasseuschaft von Gerichtswegen, die Gültigkeit
der Testamente, die Erbfähigkeit der Witwe und eine Obervormundschaft
für Minderjährige. Weder Einheimische noch Ausländer durften mit
gespanntem Bogen oder eisernem Handschuhe in dem Burgfrieden der
Stadt wandeln. Für eine Feuersbrunst, welche über das Dach hinaus-
schlug, zahlte man 1 Pfund Strafe, aber 5 Pfund für verfälschtes.
Maß, verkürzte Elle oder unrichtiges Gewicht. — L. zeigte sich auf sei-
nen Reisen durch Steyermark sehr segensreich durch Städtebau und Rechts-
entscheidung. Er hielt die Raubritter und Wegelagerer nieder und beför-
derte dadurch Arbeitsamkeit und Wohlstand. Er sicherte die Landschaft ge-
gen das oft feindselige Ungarn, indem er Fr iedau oder Fr iedberg,
oder beyde anlegte und mit Mauern umgab. Er erbaute eine steinerne '
Brücke über die Save, um den wichtigen Weg nach Italien und ans
Meer offen zu halten; daraus wurde Steinabruck. Er schirmte und
belebte die Handelsstraße über den Wechsel, indem er Hartberg in
Obersteyermark mit Freyheiten begnadigte; das Nähmliche that er mit
Marburg in Untersteyermark, um die wichtige Straße über den Platsch
zu sichern und zu verbessern. — L., welcher von gesetzgeberischer Weis-
heit so unläugbare Beweise gab, war doch nicht weise genug/ den verderbli-
chen Irrwahn seiner Zeit zu durchschauen, indem die Kreuzzüge auch
ihn begeisterten. Die unmittelbaren bösen Folgen derselben lagen am Ta-
gs/ und die spätern heilsamen Wirkungen, welche die Vorsehung gegen
Menschenabsicht daran knüpfte, lagen im Dunkel; doch ließ er sich durch
Ritterlichkeit und Kirchenstimmung zu einer ganz neuen Art von Kreuz-
zuge bewegen, gegen die Waldenser oder Albigenser nähmlich, einer ke-
herischen Secte im südlichen Frankreich. L. zog mit seinen Edlen und
Rittern bis in das ferne Toulouse, um die Irrgläubigen zu bekriegen
un5 zu bekehren. Von diesen wandte er sich gegen die Ungläubigen, wel-
che in Spanien unter dem Nahmen der Mauren und Araber den Moha-
medismus bekannten, die Oberherrschaft führten, die Gewerbe vervoll-
kommten und die Wissenschaften betrieben. L. überstieg die Felsenfestun-
gen der Pyrenäen, bestand eine Reihe von Kämpfen gegen die Mosle-
mim und erreichte in Compostello das Grab des heil. Jacob. L.
war von seinem Zeitgeiste für Kreuzzüge so ergriffen, daß. er seine Waf-
fengefährten und Reingen auch nach Palästina persönlich zu führen sich
entschloß. Er verweilte auf diesem Kreuzzuge anderthalb Jahre und
machte seinen Nahmen hochberühmt. — L. hielt seine 2 Herzogthümer
in Ruhe und Ordnung, während Deutschland durch das Anstreben des
germanischen Wahlrechts in Unruhe war. In Deutschland stritten die
Hohenstaufen gegen die Braunschweiger, in Italien die Gibellinen ge-
gen die Guelfen mit List und Wuth. L. stand auf der Seite des Hohen«
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie