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414 L e o p o l d s b e r g .
zu jeder Zeit und bey jeder Gelegenheit auf baS genaueste bis an das
Ende des Lebens unverbrüchlich zu beobachten, und Alles, was zur Si-
cherheit, zum Ruhme und Wachsthum des österr. Kaiserthums gereichen
kann, nach Kräften beyzutragen und zu vertheidigen, wie entgegen
Alles, was immer der Macht und den Gerechtsamen desselben nachthei-
lig, wie auch der Würde des erhabenen Ordens abträglich seyn könnte,
zu verhindern, und so viel an ihnen liegt, abzuwenden, als die theuer-
ste Pflicht anzusehen. Endlich geloben sie: Die Satzungen und Anord-
nungen des Ordens strenge zu beobachten, den höchsten Befehlen Sr.
Majestät als Großmeister dieses Ordens stets nachzukommen, und solche
in Allem und Jedem immergenau zu befolgen, auch das Zeichen dieses er-
habenen Ordens beständig zu tragen. 14) Ohne Bewilligung des Groß-
meisters darf neben dem Leopold-Orden kein auswärtiges Ordenszeichen
getragen werden. 15) Nach dem Tode eines Großkreuzes wird die Or-
denskette dem Großmeister, das Ordenszeichen der andern Glieder aber
dem Ordensgreffier zurückgestellt. 16) Das Ordensfest wird immer am
ersten Sonntage nach dem Feste der heil. 3 Könige in Wien gefeyert.
17) Die Kleinkreuze haben an den Ordensfesten, die Großkreuze und
Commandeurs aber allezeit den Eintritt in die geheime Rathsstube. Auch
erhalten alle, welche mit diesem Orden beehrt sind, ohne Unterschied des
Standes, den Eintritt bey den Hoffesten und sogenannten Appartements.
13) Die Großkreuze, welche die geheime Rathswürde noch nicht besitzen,
erhalten dieselbe taxfrey; die Commandeurs aber werden, wenn sie dar-
um ansuchen, in den Freyherrnstand, und die Kleinkreuze — beyde tax-
frey— in den Ritterstand erhoben. 19) Alle erbländischen Stellen müssen
den Rittern den Ordenstitel beylegen; die Großkreuze werden in den
Decreten, welche an sie im Nahmen des Großmeisters ergehen, mit der
Benennung „unsern Vettern" beehrt. Zwar nimmt der Stephan-Or-
den, als Gesammtkörper betrachtet, den Rang vor dem Leopold-Orden ein,
sohin wenn am nähmlichen Tage Orden von beyden Gattungen verliehen
würden, geht der Stephan-Ordensritter dem Ritter des Leopold-Ordens
von gleicher Cathegorie vor, im übrigen aber sollen beyde Orden gleich
gehalten und zwischen den zu ungleichen Zeiten ernannten Großkreuzen,
Commandeurs und Kleinkreuzen nur das Alter der Aufnahme den Aus-
schlag geben. — Am 8. Jan. 1809 wurde das erste Ordensfest (eigentlich
die Einführung des Ordens) mit einer imposanten Feyerlichkeit begangen.
Der Orden besteht gegenwärtig aus 24 Großkreuzen, 60 Commandeurs
und 156 Rittern im Inlands, und aus 58 Großkreuzen, 115 Comman-
deurs und 296 Rittern im Auslande.
Leopoldsberg, nahe beyWien, vor Alters ausschließend Kah-
len berg (Kallenberg, Chalenberg) genannt, welcher Nahme erst um
das Ende des 17. Jahrhunderts dem nachstgelegenen Schweinsberge
oder Iosephsberge beygelegt wurde, wogegen der L. den ihn in
historischer Hinsicht allerdings wohl gebührenden heutigen Nahmen an-
nahm. Er erhebt sich nur 824 Fuß über den Donauspiegel und erscheint
sonach bey weitem niedriger als der Kah len be rg, überbiethet diesen
jedoch bedeutend an historischem Interesse. Scbon II01 erbaute Leo-
poldiV./. der Hei l ige, hier seine herrliche Fnrstenburg und versetzte
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie