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L i ch t e n t h a l. 428
auch k. k. Vicedirector der Oymnasialstudien in Niederösterreich, war gebo-
ren zu Wien den 18. Iän. 1759, studirte unter Anleitung des berühmten
Kol lar die alten Sprachen (Lateinisch, Griechisch und Hebräisch), dann
Philosophie an der dasigen Universität, Theologie im Stifte zu den
Schotten, wo er auch die Ordensgelübde ablegte und zum Priester ge-
weiht wurde. Anfangs war L. Catechet im Stifte, wurde dann Coope
rator und endlich Pfarrer auf dem Lande, wo er von 1795—1807 segens-
voll waltete. Seiner vorzüglichen Talente im Fache des Studiums der
Sprache und Geschichte wegen, ward er an das Gymnasium der Schot-
ten in Wien berufen, und zu dessen Präfecten ernannt. Auch war er
eine Zeitlang Decan der philosophischen Facyltat der Universität und
Rector Magnificus. Er starb zuWien den 2. May 1834. Seine vor-
züglichsten schriftstellerischen Werke sind: Übersetzungen von Racine's
Kirchengeschichte und Calmet's Abhandlung über das Alterthum der
Hebräer. Auch war er Mitarbeiter an der Kirchenzeitung.
Lichtenthal, Peter, Dr. der Arzneykunde, geboren zu Preß-
burg den 10. März 1780, hatte schon in seiner frühesten Jugend eine
ganz besondere Leidenschaft für Naturwissenschaften, Sprachen und Mu-
sik, denen er sich auch sein ganzes Leben durch ohne Unterlaß mit be-
harrlichem eisernem Fleiße widmete. Nachdem er i^ seiner Vaterstadt die
untern lateinischen Schulen, Rhetorik und Poesie "absolvirt. Französisch
und Italienisch, Violin und Clavierspiel sammt dem Generalbaß erlernt,
dabey keine oberflächlichen Kenntnissein den orientalischen Sprachen erwor-
ben hatte, begab er sich nach Wien, wo er, nachzurückgelegten philo-
sophischen und medicinischen Studien (1799 — 1807) den 6. Aug. 1808
die Doctorwürde erhielt, und als practischer Arzt 2 volle Jahre ver-
blieb. Wahrend seines Aufenthaltes in der Residenzstadt vervollkommnete
er sich in benannten Sprachen, lernte überdies; Griechisch, Englisch und
Spanisch, wie auch die Tonsetzkunst. In der Typhus-Epidemie zu Wien)
wahrend des Herbstes undWinters 1809—10 leistete er arztliche Dienste
in den französischen Spitälern daselbst. Hier war es, wo mehrere seiner
gleichzeitig mit ihm graduirten Collegen ein Opfer jener Krankheit wur-
den, er aber, schon durch ein vorausgegangenes, langes, festgesetztes
Studium so vieler verschiedener Gegenstande etwas geschwächt, von be^
denklichen Nervenleiden, darauf von einerHypochondrie befallen wurde,
zu deren Bekämpfung alle seine moralische Kraft unterlag. Nur in einem
entfernten fremden Clima sich selbst überlassen, schien ihm das einzige
Mittel jenes Übel los zu werden; er wählte dazu Italien, was ihm
auch sein ehemahliger Lehrer, der verstorbene ProfessorHild enbrand
anrieth. Kaum in Ma i l and angelangt, machte er die Bekanntschaft»
Nasori 's, des Stifters der sogenannten Lehre des Coniroztimolo,
was ihn vorerst in der Hauptstadt des damahligen Königreiches Italien
zu verbleiben bestimmte; da aber andere Umstände eingetreten waren, und
er seine Lieblingsidee, eine medicinische Topographie Italiens zu Stan-
de zu bringen, nicht gern aufgeben mochte, so bereiste er im Herbsie
13lI diese ganze Halbinsel, Calabrien ausgenommen, und kehrte seiner
beschrankten Mittel wegen, mit einer geringen Ausbeute nach Mai -
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie