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L iech tens te in , das Geschlecht. 429
poetische Weisen, so z. B. sein Frauendienst (durch Tieck herausgege-
ben), sein Frauenbuch:c. noch heute in allen Herzen Anklang finden,
diente ritterliche in den Heeren Friedrichs des S t r e i t b a r e n ,
und Ottokar 's, dessen Fall er jedoch nicht mehr erlebte. Ot to v. L.,
Sohn Ulrich's, war 1280 oberster Landrichter in der Steyemiark,
und er erhielt bereits, 1291 durch Alb recht, den ersten Habsburger, das
Schloß Enzersdorf bey Möd l i ng , welches bald nach jener Erwer-
bung, Veste Liechtenstein genannt wurde. Auch gründete Ot to
die Erbgruft zu Murau . Otto I I . v. L., dessen jüngerer Sohn,
war 1340 Friedrich'sdesSchönen treuer Gefährte und Erbkämme-
rer. Rudo lph v. L., dessen Sohn, besaß berrits 1253 ein eigenes
Familienhaus in W i e n , und bald darauf erscheint auch durch Ver-
schwägerung mit den mächtigen Kuenringern das zweyte Familienhaus
in der Herrngasse daselbst. — Ot to IV. v. L. diente Vtud o lph IV.
in den Verhandlungen und Bündnissen mit Ungarn und Polen. Ma in -
hard v. L. war Landeshauptmann in Kärnthen. N ic las v. L. er-
hielt laut eines, im Murauer Archive aufbewahrten Briefes durch sei-
nen Vetter, den Grafen Friedrich von Cilly (wornach die L. also
mit dem Luxemburg'schen Kaiserhause verwandt waren), die Grafschaft
Sternbevg in Kärnthen und Weißenfels in Kram, wogegen er
diesem 1449 dieStadt und das Schloß M u r a u , das Schloß Gruen-
fels :c. vermachte. Das Geschlecht breitete sich dadurch auch in Kärn-
then aus. 1481 schloß Andreas v. L. mit dem großen Ungarkönig
Math ias zu Radkersburg einen Waffenstillstand. Ot to V. ,
Enkel des N i c l as , richtete jedoch durch seine schlechte Wirthschaft die
steyerische Stammlinie so unwiederbringlich zu Grunde, daß seine? Söhne
Christoph, S iegmund , Rudo lph , Conrad, Ot to , Rein-
hard und Car l sich den 24. Iuny 1574 genöthigt sahen, wegen der
großen, von ihrem Vater hinterlassenen Schuldenlast, alle ihre Besitzun-
gen in Stehermark, Osterreich und Kärnthen zu verkaufen. So tief
sank dieser älteste ehrwürdige Zweig, daß man .kaum recht das Jahr
mehr weiß, wann er erlosch. S iegmund v. L., mit einer Freyinn
v. Geisser vermahlt, starb der letzte von diesen 7 Brüdern, und wie
sie, kinderlos; Familienpacten oder wechselseitige Anwartschaftsvertrage
waren keine vorhanden, somit gedieh sogar das Marschallamt in Kärnthen
an die Grafen von Wagensberg, das Erdkämmereramt in Steyermark
an die Fürsten von Eggenberg. — I I . Jüngere oder mähri sch-
öster reichische Haupt l in ie . Dessen Stammhalter, Heinrich
v. L., des Sangeshelden Ulrich's Bruder, ist in derVaterlandsgeschichte
besonders merkwürdig. Unter Friedrich dem Stre i tbaren begann
er seine kriegerische Laufbahn, er zog mit dieser Blume der Ritterlichkeit
gegen die heidnischen Preußen, gegen die Ungarn, die Kaiserlichen mit
großer Auszeichnung, und errang in der Schlacht an der Laitha, als
Herzog Friedrich gefallen war, von Rachedurst glühend, den vollkom-
mensten Sieg über König B e l a's Heer. Als sichOttoka r von Böhmen die
Herrschaft Österreichs angemaßt hatte, hielt er Heinrich ebenfalls hoch
in Ehren, ernannte ihn zum Erbschenken von Osterreich, und ließ ihn
fast nicht von semer Seite. Heinr ich blieb auch keiner großen Unter-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie