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436 Liechtenstein, Ioh. Fürst v.
nachrannten. — Der Fürst setzte sich an die Spitze von öobkowitz Che-
vauxlegers und mehreren Zügen Blankenstein Husaren, dann des
Grenadier«Bataillons Wouvermann, unter dem Major Ol iv ier ,
und warf den ganzen Haufen in der buntesten Unordnung mit großem
Verlust zurück (18. und 19. Iuny 1799). Er wurde Feldmarschall-
Lieutenant und Befehlshaber eines eigenen Armeecorps. Wie bey Würz-
burg der Erzherzog C a r l , so both dem Fürsten hier Suwarow
seine Umarmung/ vom kleinen Kosakenpferd herunter, im Hemde, mit
herabhangenden Strümpfen und offener Halskrause, dem Kantscku statt
des Marschallstabes. L. hatte in diesem Blutbade 5 Pferde unter dem
Leibe verloren, und eine Kanonenkugel ihm den rechten Rockschoß vom
Leibe gerissen. Er war der Unverletzliche geblieben. — Auch in der Schlacht
bey Nov i (15. August 1799) bedeckte sich der Fürst, nebst dem Feld-
marschall-Lieutenant Lusignan mit Ruhm, und auch des herrlichen
Feldzuges letzte Waffenthat war sein. Am 3. Dec. ergab sich ihm
Coni. —Daß der Fürst an dem Unglückstage von Hohenl inden
(3. Dec. 1800) den Rückzug deckte, daß er bey Sa lzburg dem all-
zurasch verfolgenden L eco u rbe eine eingreifende Lehre ertheilte, gab
lhm 1301 das Großkreuz des Theresien-Ordens. —Am 24. März 1805
erfolgte der erblose Hintritt semesBrudersAloys. —Gegen die in andern
Familien übliche Sitte, verließ aber der Fürst, der bereits in 11 Feld-
zügen, mehr denn 80 grösiern und kleinern Treffen mitgefochten, dar-
um keineswegs den Soldatenstand. Seine Begeisterung dafür schien erst
im Steigen, wie er denn nicht nur ein weithin leuchtendes Beyspiel
kriegerischen Muthes, sondern auch, imBesitze einer glänzenden Existenz
mit einer häufig von Podagra und Rothlauf hart angefochtenen Gesund-
heit, unter allen Unbilden der Iahrszeit, oft Tag und Nacht unter
freyem Himmel, auch an Strenge gegen sich selbst, ein Vorbild alt-
römischer Kriegszucht, Entbehrung und Entsagung gewesen ist! —
Dennoch hat diese vorherrschende Begeisterung für den Soldatensiand,
die Künste und Anstalren des Friedens und die Sorge um sein fürstliches
Geschlecht, für seine (aus 7 Söhnen und 4 Töchtern von der geb. Land-
gräftnn Jose pH ine zu Fürst enberg bestehende, zärtlich geliebte)
Familie, keineswegs zurückgesetzt. — In der großartigen Sorge,
mit bedeutenden Opfern, die Stammburgen seines erlauchten Gescblech-
tes, und so viel möglich, alle redenden Denkmäler seines alten Nah-
mens und Ruhmes, wieder an dasselbe zurückzubringen, hat der Fürst
neuerdings bewiesen, daß dieses heilige Samenkorn in des Kriegers
Brust wohl am tiefsten und am unaustilgbarsten schlummert! — Da-
durch, durch hausväterliche Wachsamkeit und Ordnungsgeist, durch be-
deutende Ausbreitung seiner Besitzungen im steyerischen Stammland und
in Osterreich, in Mähren, der zweyten Heimath und in Böhmen, hat
der Fürst Johann seinen Nahmen würdig neben den alten Hein-
rich, Nikolsburg's Erwerber, und neben die drey Brüder und
Stifter, Car l , Max und Gundacker gesetzt. — Die Gallerte,
einst im Majoratshause zu W ien , in der Schenkenstraße, nun imPae
last der Roßau, dankt ihm die bedeutendste Erweiterung, und was fur
das nationale Leben der Kunst höchst wichtig ist, auch durch lebende
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie