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Ligne, Carl Jos. Fürst de. 449
Gesellschaft entzückte, erregte allgemeine Bewunderung. — Seine dra-
matischen Verbindungen zu Paris verwickelten ihn in manche literari-
sche Intriguen, und verleiteten ihn zum Widerwillen gegen Marmon«
tel. -^ 1778 war er General en Chef in dem kurzen Kriege und focht
gegen den Prinzen Heinrich. In den Niederlanden machte ihn seine
Herablassung und Popularität allgemein beliebt, und als die Streitig-
keiten 1734 mit Holland einen Krieg vermuthen ließen, traf er als Ge-
neral en Chef die kräftigsten Maßregeln, um der Sache einen ehrenvollen
Ausgang geben zu können. — Schon 1781 besuchte er drn Petersbur-
ger Hof, von welchem sein ältester Sohn, vermählt mit der Prinzessinn
Massalsky, 400,000 Rubel zu fordern hatte. Auch hier genoß er
Achtung und Liebe, und gewann die Gunst Catharina's. Bey jener
berühmten Zusammenkunft Io seph's I I . mit Cathar ina, wurde L.
mit wichtigen Auftragen an den Petersburger Hof geschickt. Hier verrich-
tete er seine Aufträge als der treueste Unterthan seines Monarchen und
zeigte sich zugleich als einen feinen Hofmann gegen die Kaiserinn von
Rußland, die er auf ihrer Reise nach Cherson begleitete. Mit vieler
Laune scherzte er in seinen Briefen über das sonderbare Versetzen eines
so glanzenden Hofes an die Ufer des Boristhenes. — 1788 begab er sich
in der Eigenschaft eines Feldzeugmeisters mit diplomatischen Auftragen
an den Fürsten Potemkin, und folgte der russischen Armee bis nach
der Eroberung von Oczakow. — Im Türkenkriege 1739 befehligte er
mit vieler Auszeichnung ein Armeecorps, theilte mit Loudon beyder
Einnahme von Belgrad den Ruhm, und wurde hierauf zum Comman-
deur des Maria-Theresien-Ordens ernannt. Mit diesem Feldzuge endete
auch seine militärische Laufbahn und Thätigkeit. Seine Gesinnung und
Anhänglichkeit an das Kaiserhaus bewies er bey jeder Gelegenheit auf
eine Art, die pber jeden Zweifel erhaben war. Er wollte lieber seine
schönen Güter in Brabant verlieren, als eine zweydeutige Gesinnung
gegen Osterreich äußern. Kaiser Joseph I I . , als er jene Umwälzungen
voraussah, svrach am Sterbebette zu dem Fürsten de L.: „Ich habe mich
von Ihrer Ergebenheit vollkommen überzeugt, gehen Sie nach Brabant,
um Ihre eigenen Geschäfte zu besorgen." L. traf nach dem Verluste sei-
ner Güter noch ein härterer Schlag. Sein ältester Sohn, der Oberst
Fürst Carl de L., ein junger Mann, voll Talent und Muth, allge-
mein geachtet und geliebt, fiel in dem Feldzuge in der Champagne am
14. Sept. 1792. Dieser Schmerz beugte das tief verwundete Vaterherz so
sehr, daß sich über ihn die Kraft seines Gemüths nie emporheben konnte.—
Bis 1807 lebtc Fürst de L. in ruhiger Muße der Wissenschaft und Kunst
geweiht, von allen öffentlichen Geschäften entfernt. — 1307 ernannte
ihn Kaiser Franz I. in Anerkennung seiner Verdienste um das Vater-
land und das Kaiserhaus, zum Capitän der Trabanten-Leibgarde und
Hofburgwache, und 1303 zum General-Feldmarschall. Seit dieser Zeit
nahm er sehr oft Antheil an militärischen Berathungen, und präsidirte
im Capitel des Maria-Theresien-Ordens. Auch seine Vermögensumstande
besserten sich um diese Zeit. Als man zur Entschädigung für diejenigen,
die an dem linken Rheinufer ihre Besitzungen verloren, schritt, erhielt
L. als Entschädigung für seine Verlornen Güter die Abtey Ed'elstetten ;
Oesterr.Nat.Encyfl.Vd.lll. 29
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie