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Linzer wol lenzeug-, Tuch und Teppichfabrik. 459
tilisch, oder auf scientifischen Betrieb sehen, als da sind: Die Wollenllaube-
rey, die Tuchwollen-Sortirung, die Kardätscherey, die Kämmerey,
das Wollwaschen in einer großen Küche, das Spulen, das Schweifen,
die 16 Pressen mit 3 Heizofen, die ^cknung beyderseits mit Tuchsche-
rers« Aufspannrahmen, gewölbt und ckmphitheatralisch gebaut (die Win-
tertrocknung hat stets mittelmaßige Wärme), ferner das Rauhen, der
Einschlag, Sortirung der Farben wegen, die große Mange, welche
mit einem Pferde betrieben wird, 1735 errichtet wurde und 1366 Crr.
schwer ist, endlich die Merinos- und Tuchnopperey, das Plombiren und
Packen in einigen geräumigen Gewölben, das Beschauen und Prüfen
der Maaren durch eigene Meister in den Webereylieferungszimmern, das
Schwefeln im Kasten, das Sengen, das chemische Laboratorium, die
Berill - Druckerey. Es bestehen 3 Teppich-Manufacturen, wo jeder
Schlag 70 Pfund schwer, und der Mechanismus ganz vorzüglich be-
wunderungswürdig ist. Die Zahl der Stühle betragt 36. Die Filatorien
mit 3 Etagen, 354 Spindeln auf einer Etage, und 59 Haspeln, sind
wie in Italien gebaut. In den 4—-5 Tuchfärbereyen wird mit dem ein-
fachen Schnellschützen gearbeitet, welchen man statt des doppelten viel
vortheilhafter fand. Die große und kleine Farberey haben zwey Kuppen
und 40 Kessel. Das Wasser läuft da durch kupferne Grande in einer,
eigenen kupfernen Röhre um die ganze Farberey herum, wovon es
in jeden Kessel geleitet wird. Das Glänzen geschieht durch Druckmaschi-
nen. Von einer besondern Glanzmaschine mit einem großen Schwung-
rade, ist Theodor Ren sing, bürgert. Achlossermeister in Linz, der
Erfinder, welcher an derselben eine Andeutung anbrachte, daß diese
Maschine Niemand nachzumachen verstehe. Wieder geschieht das Glän-
zen durch Kupferspäne. In der Schrobelwerkstatte sind unter einem
unobligaten Meister 1 Schröbet- und 1 Streichmaschine, 1 Vor«
spinn- und 4 Feinspinnmaschinen. Die Vorspinnmaschine hat 40 und
die Feinspinnmaschine 60 Spindeln« Diese sind von Comoth. Vor un-
gefähr 15 Jahren bediente man sich zur Erlangung der nöchigen Tuch-
gespinnste der W o w o d'schen Spinnmaschinen, welche aber dem Zwecke
keineswegs entsprachen und die Fabrik nöthigten, wieder zur Handspin-
nerey die Zuflucht zu nehmen. Nun aber, da man zur Überzeugung
gelangte, daß bey Anwendung zur Tucherzeugung die Handgespinnste
ohne die neuen vervollkommneten Maschine doch immer unvollkommen
blieben und mit andern Fabriken zu concurriren nicht möglich war, sah
man sich gleichwohl genöthigt, zur einstweiligen Probe einen Sah
gedachter Strobelmaschinen anzuschaffen, um es hierin in der Folge
noch weiter zu bringen und ausgedehnter zu verfahren. Die 7 Offer-
mann'schen und die 3 Bonner'schen Schermaschinen aus Brunn ,
ferner eine niederländische und die 3 Wagner'schm aus Presiburg,
worauf die Tüchernach der ganzen Breite geschoren werden, sind eben
so sehenswerth, als die Aufbewahrungsorte für Schleifsteine und Car-
dendisteln und für die Scheiterhobel passend gewählt sind. Außer einer
Wirchsschenke wurden zum größeren Betriebe der Fabrik eine eigene
Tischlerey und Schlosserey nebst Binderey und Zimmerey hergerichtet.
Die 4 Farbmaterialmagazine, die Gespinnstmagazine, ausschließlich für
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie