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460 L i p a w s k y.
die Zeugfabrik, dann eigens für die Tuchfabrik, so wie das Merinos-
und Tuchmanufacturen-Gespinnstmagazin ''aben weitumfassenden tro-.
ckenen Raum. Der Einkauf der Wolle geschieht vorzüglich in Ungarn
und Böhmen. Über das fertige Waarenlager mit den drey Abtheilun-
gen: Für Zeuge, Teppiche und Tuch, kann.man sich durch den eige-
nen Preis-Courant der Fabrik verständigen. Die Hauptniederlage der
fertigen Waaren befindet sich, ausier jener in der Fabrik selbst, in
W i e n , im Laurenzergebäude nächst der Hauptmauth. Märkte werden
von ihr folgende bezogen: Der Pesther, Brünner, Wiener und Linzer
Markt, und zwar in eigenen Gewölben unter Firma der k. k. Fabrik.
Groß -Factoreyen sind unter der Leitung eines eigenen Factorsin 6 ver-
schiedenen Kreisen von Böhmen vertheilt. Solche befinden sich auch zu
Linz inderVorstadrWeingarten, inEben see, Kematen undWeiß-
kirchen. Bey diesen Factoreyen werden dermahl ungefähr 9,000, in
der Fabrik selbst 400, außer der Fabrik in Linz und der Umgegend 900,
zusammen 10,300 Menschen beschäftiget und ernährt, ohne die vielen
Profeffionisten und Gewerbsleute der Stadt Linz zu rechnen, die jähr-
lich beträchtliche Summen durch ihre Arbeiten beziehen. Für das hiesige
Strafhaus wird von Seite der Fabrik dadurch gesorgt, daß die männ-
lichen Sträflinge mit roher Wolle zum Kämmen und die weiblichen In-
dividuen mit gekämmter Wolle zum Spinnen versehen werden. Wenn
sich die Anzahl der Arbeiter gegen frühere Zeiten verminderte, so muß
man dieses in dem Umstände suchen, daß die Fabrik durch die drey feind-
lichen Invasionen, und besonders durch die letzte, sehr hart mitgenom-
men wurde, wo man sie als kaiserliches Eigenthum in Beschlag nahm.
Auch sind seit ihrem Emporkommen immer mehrere Fabriken im Lande
entstanden, wodurch sich natürlich die Producte vermehrten, aber auch
dießortige Hülfsarbeiter wieder anderswo Unterkommen fanden. Das
zur Führung der Geschäfte bestehende Beamten-Personale belauft sich
in Linz und Wien/ unter einem Director auf 26 Individuen, außer
welchem noch eine Cameral-Fabriksbuchhaltung von 11 Beamten besteht.
L ipawsky, Ios. , Componist, wurde geboren den 22. Februar
1772 zu Ho henmauth in Böhmen. Von frühester Jugend mit glü-
hender Liebe zur Tonkunst beseelt und mit Talent ausgestattet, machte
er bald die bedeutendsten Fortschritte in derselben. Seine Studien be-
gann er in Leitomischl und zu Königgratz, wo er sich auch im
Orgelspiel ausbildete, und vollendete sie mit dem Studium der Philosophie
und der Rechte zu Prag un,d Wien. In letzterer Stadt bildete sich
L. auch vollends in der Composition aus, und wurde in dem Hause des
Grafen Adam Teleky als Claviermeister aufgenommen, welche Stelle
er durch 2 Jahre auf das lobenswertheste versah. Bald darauf wurde
er bey dem k. k. geheimen Kammer-Zahlamte in Wien angestellt, in
seinen Mußestunden aber lag er noch immer auf das eifrigste seinen mu-
sikalischen Studien ob, und sein meisterhaftes Spiel auf dem Piano-
forte gewährte noch oft hohes Entzücken. Er starb zu Wien 1313.
Von feinen Compositionen sind folgende mit Auszeichnung zu erwähnen:
Der gebesserte Hausteufel, Oper in 2 Aufz. — Die Nymphen der Sil-
berquelle, Oper, welche auch im Theater an der Wien aufgeführt
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie