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466 . L i t t r o w.
Gebrauche gehindert, und in allen seinen Erwartungen bitter getäuscht.
Nach 3 Jahren wurde er von Kaiser Franz zum Director der Stern-
warte und zum Professor der Astronomie an der Universität zuWien er-
nannt. Er kam daselbst im September 1819 an. Hier entwickelte sich in
den günstigsten Verhaltnissen schnell seine ihm im hohen Grade eigen-
thümliche wissenschaftliche Thätigkeit. Da die Sternwarte der Haupt,
stadt, wie er sie vorfand, dem gegenwärtigen Zustande der Wissenschaft
nicht weiter angemessen war, so wurde sie ganz umgebaut. Mehrere
Stockwerke des alten und in se'nem untern Theile sehr soliden Thurmes
wurden abgetragen, und auf der so gewonnenen Stelle ein neues Ob?
servatcrium errichtet. Die Hauptbestandtheile desselben sind ein großer
Saal für die beweglichen, ein kleinerer mir Meridian- Einschnitten für
die sixen Instrumente und 3 Thürme mit beweglichen Dächern für die
parallactisch aufgestellten grösieren Äquatoriale und Refractoren. Zum
Aufenthalte und als Mohngebaude der Observatoren wurden mehrere
Zimmer mit Küchen, ein eigenes Rechnungszimmer, ein anderes für die
Bibliothek u. s. f. neu errichtcr. Die so erbaute Sternwarte wurde mit
den besten und dem heutigen Zustande der Astronomie angemessensten In-
strumenten versehen : Einem Meridiankreise, einem Mittagsrohre, einem
Äquatorial, cincmparallactiW aufgestellten Refractor ron 6 Fuß Focal-
lange, alle von den größten Dimensionen, wie sie früher R ei chenbach
in München und jetzt das polytechnische Institut in Wien verfertigt;
ferner einem Universalinstrumente, einer beweglichen parallactischen Ma-
schine, einem parallactisch aufgestellten Cometensucher, 2 Theodoliten,
mehreren großen Fernröhren, einem vollständigen Kater'schen Rever-
sionspendel-Apparate, ausgewählten meteorologischenInstrumenten u. s. w.
Um die Thätigkeit der neuenSternwarte auch für die Folgezeit zu sichern,
wurde die Bewilligung erthelt, die Beobachtungen, derselben jährlich in
einem Foliobande unter dem Titel: Die Annalen der k. k. Wiener Stern-
warte, auf öffentliche Kosten herauszugeben. Die anfangs sehr arme
Bibliothek der Sternwarte ist jetzt mir den besten astronomischen Werken
versehen und in den wenigen Jahren bereits dreymahl reicher, als zuvor,
Durch Vorlesungen in der theoretischen und practischen Astronomie, so
wie in der höheren Mechanik, ist für die Bildung künftiger Astronomen
gesorgt. L.'s zahlreiche und allgemein geschätzte Schriften haben zur Ver-
breitung astronomischer und verwandter Kenntnisse in Deutschland viel
beygetragen und seinen mündlichen, sehr beliebten Vorträgen wohnen jahr-
lich mehrere junge Männer aus Würtemberg, Bayern, Preußen und
der Schweiz bey. Mehrere glänzende Anerbiethungen zurück nach Kra«
kau, M ie tau , Charkow und an die neue Sternwarte in M a rlia
bey Lucca u. s. w. schlug er aus und lebt zufrieden mit seinen gegen-
wärtigen Verhaltnissen, dem Fortgange der Wissenschaft und dem Glücke
seiner Familie. Seinen Empfehlungen und seiner eifrigen Unterstützung
des verborgenen Talentes dankt schon mancher würdige Mann das Glück
seines Lebens. Seine stets heitere Laune macht ihn zu einem in allen
besseren Gesellschaften willkon-menen Mann. Während der Versammlung
der Naturforscher in Wien 1832 hat L. mit Auszeichnung gewirkt.
Von seinen Echriften erwarben ihm besonders seine populären Vcrträac
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie