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472 Lobkowiy, Ioh. Georg Christian, Fürst v.
Protector und Präsident er in der Folge wurde/ dem Vereine zur Beför-
derung der Tonkunst in Böhmen zc. 1803 stiftete er die böhm. hydrotechni-
sche Privatgesellschaft, deren nützlicher Zweck die Einleitung mehrererVor-
arbeiten zurVerbindung der Donau mit der Moldau war. Viele andere
wissenschaftliche und gemeinnützige Vereine ernannten, ihn auch in Aner-
kennung seiner ausgebreiteten Kenntnisse, seiner rastlosen Thätigkeit, seiner
Liebe für Künste und Wissenschaften zum Ehrenmitglieds. Beym Ausbruch
des Kriege« gegen Frankreich 1809 schloß sich L. mitglühendem Patriotis-
mus an die Reihen dcr Vaterlandsvertheidiger, und erboth sich, mit einem,
aus den Unterthanen seiner Güter gebildeten Landwehrbataillon, frey,
willig über die Gränzen Böhmens dem Feinde entgegenzugehen. In Folge
dieser Erklärung machte L. als Oberstwachtmeister und Bataillons-Com-
mandant die Expedition nach Sachsengegen Thielemann mit, wobey
ihm zweymahl das Commando der Stadt Dresden zu Theil wurde.
Darauf wurde er zum Oberstlieutenant, nach Auflösung der Landwehre
zum Obersten in der Armee ernannt, er erhielt 1810 das Commandeur-
kreuz des Leopold-Ordens/ später die Würde eines Oberstlandkämme-
rers im Königreiche Böhmen, so wie 1318 ein kaiserl. Handschreiben,
welches ihm die besondere Zufriedenheit des Kaisers über sein rastloses,
wohlthätiges und gemeinnütziges Wirken zu erkennen gab. Seine innig,
ste Theilnahme an den siegreichen Ereignissen der Jahre 1813—14 be-
urkundete L. durch die Errichtung einer zur Feyer des Sieges bey Leipzig
bestimmten immerwährenden Stiftung für verdiente, wegen Wunden,
Alter, oder im Dienste erhaltenen frühen Siechthum ehrenvoll ausge-
tretene Krieger. In den Jahren des Friedens zeigte sich Fürst L. als
Macen für Wissenschaft und Kunst besonders thätig. Viele der ausge-
zeichnetsten Gelehrten und Künstler, worunter z. B. Beethoven,
hatten ungehinderten Zutritt bey ihm, er veranstaltete Concerte u. dgl.
zur Würdigung vaterländischer Comvositionen, und unterstützte talent-
volle Kunstjünger auf das freygebigste. Allgemein beklagt, starb er
den 12. Iuny 1819, nachdem er noch in seinem letzten Augenblick ein
erbauliches Beyspiel religiöser Ergebung und unerschütterlicher Standhaf-
tigkeit gegeben hatte.
Lobkowiy , I oh . Georg Christian, Fürst v., war gebo-
ren 1636. Kaum dem Jünglingsalter entwachsen, ward er zum Gene«
ralgouverneur von Siebenbürgen ernannt und focht zuerst im Kriege gc-
gen die Pforte, welcher durch den unglücklichen Frieden zu Belgrad
(den 18. <Sept. 1739) beendigt wurde. 1741 befehligte er ein Armee-
corps in Osterreich und hatte 1742 ein nachtheiliges Gefecht gegen die
überlegenen Streitkräfte der Marschalle Brog l io und Bel leisle un-
weit Frankenburg in Böhmen. Nachdem sich der Fürst L. mit dem
Prinzen Car l von Lothr ingen vereinigt hatte, griffen beyde die
Franzosen an und trieben sie über die Moldau zurück bis nach Brau-
n au. Zu Ende desselben Jahres leitete L. die Einschließung von Prag ,
wohin sich der Marschall Bel leiste, der sich von Brog l io getrennt,
mit 16,000 Franzosen zurückgezogen hatte. Da aber der Herzog von
Lothringen mit dem größeren Theile des Heeres dem französischen Mar-
schall Mai l lebo iS, welcher von Westphalen nach Böhmen dringen
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie