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installl'rt, und schon 1762 zum Hofrathe bey der obersten Iustizstelle
befördere. 1771 ernannte ihn M a r i a Theresia zum Staatsrathe;
er genoß ihr Zutrauen ganz, und sie beehrte ihn auch mit dem St. Ste-
phan-Orden. 1732 trug ihm Joseph I I . die Regulirung der Justiz,
behörden in W i e n , und die Einführung der neuen Gerichtsordnung
auf, ernamtte ihn zum Vizepräsidenten des n. ö. Appellationsgerichtes,
und gab ihm das Commandeurkreuz des St. Stephan-Ordens. 1784
wurde er oberster Landrichter und Landrechtspräsident in Niederösterreich,
geh. Rath, und endlich Appellations-Präsident. Er starb in seinem 60.
Jahre zu Möd l ing nächst Wien 1795.
Lößl , Franz, Architect, 1801 zu B r u n n geboren, genoß
einer guten Erziehung, und zeigte schon frühzeitig viele Talente für
bildende Kunst. Er studine an der k. k. Akademie der bildenden Künste
zu Wien in der Architecturschule, und zu gleicher Zeit am k. k. poly-
technischen Institute, die zu diesem Kunstfache nöthigen Hülfswissen-
schaften mit Eifer und Auszeichnung. Nachdem er alle an der Architec-
turschule ausgesetzten ersten Preise, so wie in allen Fächern auszeich-
nende Zeugnisse erhalten hatte, wurde er vom Kaiser Franz 1325
als Pensionär nach Rom geschickt, wo er mit regem Eifer die classi-
schen Kunstgegenstande des Alterthums und des Mlttelalters in ihren
kleinsten Details gründlich siudirte. Nach einer Reise durch das an der-
artigen Kunstschätzen reiche Unteritalien und Sicilien kehrte L. 1329
nach Wien zurück, wo eben zu dieser Zeit der Concurs für das neu zu
errichtende Gebäude der Gesellschaft der Musikfreunde ausgeschrieben
wurde, welche Unternehmung der Beschranktheit des Baulocales und
anderer hemmender Umstände wegen fast unbesiegbare Schwierigkeiten
darzubiethen jchien. Unter 12 eingereichten Bauprojecten, wurde jenes
L.'s, in Berücksichtigung der einfachen Eintheilung, soliden Construc-
tion und der dadurch erzweckten größtmöglichen Bedürfnißräume, an-
genommen, und ihm die Leitung des Baues übertragen. Das Gebäude
war 1331 vollendet und beurkundet auf das hinlänglichste das Talent und
den Geschmack des Künstlers, sowaHl durch die schone, der inneren Be-
stimmung und Eintheilung angemessene Fac.ade, wodurch es sich vor
allen andern öffentlichen und Wohngebäuden unterscheidet, als auch
durch die Eigenthümlichkeit und Schönheit jedes Details und Construc-
tions-Proftles an demselben, wodurch das Ganze so vortheilhaft auf
den Beschauer wirkt. Nebst diesem Baue wurden dem Künstler während
seines Aufenthaltes in Wien noch mehrere Auftroge zu Theil, die er
mit gleichem Kunstsinn und Geschmack ausführte. Unter diesen sind be-
sonders ehrenvoll zu erwähnen: Ein Musiksalon im Garten des Freyh.
v. Pasqua la t i zu Döb l ing ; das im italienischen Style aufgeführ-
te Kleinkaüf'sche Landhaus ebendaselbst; ein Zinshaus für den
Freyh. v. Wetzlar. Bald darauf führte L. auch das seiner Oröße,
Pracht und inneren zweckmäßigen Einrichtung wegen allgemein gerühmte
Badhaus zu Ischl auf. Von dem Eifer, Kunstsinn und den fortge-
setzten Studien dieses talentreichen Künstlers lassen sich in der Folge noch
die schönsten Früchte erwarten.
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie