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4W Lombardisch. venetianisches - Nönigreich
ist die Verwaltung unter Abhängigkeit der Centralbehörden zu Wien,
einem Gouverneur und einem Gubernialcollegium anvertraut. Jeder
Delegation steht ein besonderer Commissär, Delegat, jedem Districte
ein Canceliiere di Censo vor, und jede Gemeinde hat einen Podest.
Außerdem besteht in jedem Gouvernement eine Centralcongregation unter
dem Präsidium des Gouverneurs, und in jeder Delegation eine Pro-
vinzialcongregation, deren Präsident der königl. Commissär oder Dele-
gat ist, eine Art ständischer Versammlung, welcher jedoch nur eine con-
sultative Stimme zusteht, und deren Berathschlagungen der Bestäti-
gung des Guberniums unterliegen. Gleichheit vor dem Gesetz und gleiche
Verpflichtung zum Kriegsdienst ist durch die Constirutionsurkunde vom
24. April 1815 ausgesprochen. Die durch dieselben eingeführten Pro»
vinzialstände stehen den Gouvernements- und den andern Verwaltungs-
behörden gleichsam als Controlle zur Seite. Der höchste Gerichtshof ist
der Revisionshof zuVerona. (S. Justizstelle, k. k. oberste.) Ap-
pellationsgerichte befinden sich zu Mai land und Venedig, Tribunale
erster Instanz in dem Hauptort jeder Delegation. Die herrschende Reli-
gion ist die katholische, welche allein staatsbürgerliche Rechte ertheilt;
doch sind andere Religionsgesellschaften geduldet. Die Geistlichkeit steht
unter einem Patriarchen, der seinen Sitz in V en edig hat, und einem
Erzbischof zu Ma i land , dann 17 Bischöfen. — Universitäten sind zu
Padua und Pav ia , nebst 12 Lyceen und 36 Gymnasien, 25 Nor-
mal- und Hauptschulen, wie auch mehreren Mädchenschulen, Collegien
und Convicten; Akademien :c., Kranken-, Armen - Versorgungs- und
andereHumanitäts-Anstalren sind vielfältig und in guter Einrichtung vor,
Handen. 3 Infanterie-Regimenter und 1 Cavallerie»Reg, werden im Lande
recrutirt. Die Seemacht besteht aus 8 Linienschiffen, 7 Fregatten und
15 kleinen Kriegsfahrzeugen. Die Staatseinkünfte übersteigen 20. Mill.
Gulden. — Hauptftüsse sind der Po und'die Etsch; größere Landseen der
Lago maggiore, Lago di Garda, di Como und di Lugano. — Das
Clima ist mit Ausnahme der Seeküste und Moräste mild und gesund,
die Nähe der Alpen bringt im Winter oft empfindlichen Frost. Das
ganze Land steigt als eine sanfte, nur von einigen Hügelreihen, den
euganeischen und lessinischen Bergen, durchzogene Ebene von den Alpen
zum Po herab; ist sehr fruchtbar und zum großen Theil, besonders in
der Lombardie, gleich einem Garten herrlich angebaut. Zwar gehört das
Land größtentheils nicht dem, der es baut, eigen an, sondern grösiern
Gutsbesitzern, meist aus den alten Dynastenfamilien, die sich um so
leichter durch reiche Heyrathen, selbst in Nebenlinien erhalten konnten,
da es in Italien bey der Fortpflanzung des Adels nichr auf den Stand
der Mutter ankommt. Diese und andere große Gutsbesitzer haben zur
Anlage und Unterhaltung der kostbaren Bewässerungs-Anstalten der gro-
ßen Reisfelder hinreichendes Vermögen. Der größte Theil der Landbe-
wohner besteht jedoch aus Zeitpächtern, die in dem reichen Lande oft sehr
arm sind; weßhalb häufig das grofie massive Bauernhaus gegen das
ärmliche Innere sehr auffallend absticht. Fast alle Ländereyen und Wiesen
sind eingezäunt und mit Fruchtbäumen, Ulmen und Pappeln umgeben,
an denen sich die Weinrebe üppig hinauh ankt. In manchen Gegenden
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie