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494 L o t h r i n g e n .
das Instrument zu behandeln, faßte er bald auf, und setzte herrliche Stücke
für dasselbe. Capellmeister S t ö l z e l , der mit ihm 1715, durch 2
Jahre in Leipzig und Prag einen genauen Umgang hatte, erzählt,
daß L. gemeiniglich an dem Vormittage einige Stunden im Bette sich bloß
mit der Laute beschäftigte, nach Mittag aber die Violine im Saale
spielte, wozu man ihm auf dem Clavier accompagniren mußte. Bey die-
sem Spiele verwei te er öfters auf einer wohlangebrachten Dissonanz sehr
lang, überdachte sie, und rief dann aus: N una nota d'oro! — ja
er ließ sie drey bis vier Mahl wiederholen, und anatomirte den vorge-
tragenen Satz bis in das kleinste Detail. — Er starb 1721 im 83. Jahre
seines Alters in Prag. ' "
Lothringcn. Wenn auch die Genealogie der meisten deutschen
Fürstenhaujer im Mittelalter noch manche unausgefüllte Lücke kennt,
und manche Zweifel der Kritik in derselben nicht völlig beseitigt worden
sind; so ist doch die gemeinschaftliche Abstammung der Hauser Habs«
bürg und L. von dem Herzoge Ethico in Alemannien und in Elsaß
(st. 693) entschieden. Hauser, welche durch die Vermählung des Her-
zogs Franz (III.) S tephan von L. mit der Erbtochter des Kaisers
Car l (VI.), Mar ia Theresia (12. Febr. 1736), auf immer ver-
einigt wurden. — Bey der Theilung der Carolingischen Monarchie
(843) in dem Vertrage von Verdun war für Carl's des Großen
ältesten Enkel, den Kaiser Lothar , König von Ital ien, zwischen
Frankreich und Deutschland ein eigener, nach ihm genannter, ansehn-
licher Mittelstaat, Lothr ingen, gestiftet worden, welcher alle Lander
zwischen dem Rheine und der Schelde, und vom Ursprünge der Maas
bis zum Einflüsse der Saone in die Rhone und bis ans Mittelmeer um-
schloß. Seit den großen politischen Erschütterungen in den letzten Zeiten
der Carolinger, und nach ihrem Abgänge in Deutschland und Frankreich
gehörte L. zu Deutschland, und erhielt seine Herzoge durch Ernen-
nung der deutschen Kaiser, wenn gleich in diesem westlichen, mit Deutsch-
land wieder verbundenen Staate manches in Hinsicht auf Erbrecht, Ver-
fassung und Sitte anders war, als in oen übrigen, dießseits des
Rheines gelegenen Herzogthümern des deutschen Reiches. Die Politik
des Kaisers O t t o I . führte die Theilung dieses, schon durch die Stiftung
des burgundischen Königreiches im Süden geschmälerten Herzogthums in
Ober- und Nieder-L. (954) aus, nachdem sein eigener Schwiegersohn,
der Herzog Conrad von L., in einer heftigen Familienfehde gegen
ihn gekampft hatte. In dem nördlichen Theile, Nieder < L., zu wel-
chem später die Herzogthümer I ü l i c h , C leve, B e r g , B u n
gnnd , Luxemburg , L imburg , B raban t und Geldern,
die Mark Antwerpen, die Grafschaften H o l la n d, Flandern,
- A r to i s , Namur , Hennegau und Cambray, das Erzbisthum
Cöln und die Bisthümer Lüttich und Utrecht gehörten, ging der
lothringische Nahme völlig unter, und verlor sich im 13. Jahrhunderte itt
den Nahmen des Herzogthums Brabant, so wie später in der Masse des
neuen burgundischen Herzogthums, dessen Mannsstamm mit Car l dem
Kühnen (1477) erlosch. In Ober-Lothringen, das unrerOtto l alle
Länder zwischen der Maas, der Mosel und dem Rheine (nähmlich außer
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie