Page - 500 - in Österreichische National-Enzyklopädie - Buchstabe I-M, Volume 3
Image of the Page - 500 -
Text of the Page - 500 -
5W L o u d, o n..
haben können, an den unerklärbaren Maßregeln der Bundesgenossen
verloren zu sehen, bis sie ganz nach Polen schieden. Erzog sich hierauf in
beschwerlichen Märschen nach dem österreichischen Schlesien und nach
Mähren. Inzwischen beschenkte ihn die russische Monarchinn mit einem
reich besetzten Degen; die seinige beförderte ihn zum Feldzeugmeister.
— Schi Aufenthalt in Wien war nur turz. Er rückte mit Anfang
1760 nach P r a g , und traf Anstalten gegen den Einfall, der bey
Komotau erwartet, und eben dadurch, daß man ihn erwartete, ver-
eitelt wurde. Unterdessen die Feindseligkeiten in Schlesien mit dem Versuch
aufNeustadt wieder anfingen, eilte L. mit seinen Entwürfen zum Feld-
zuge nach W ien, und dann nach Dresden, wo sich der Feldmarschall
D a u n befand. — Nachdem L. bey dem General Fouquet Besorg-
nisse für Bres lau erregt hatte, besetzte er Landshut , ließ aber
den preußischen General, unterdessen er Glatz eingeschlossen hielt, den
verlassenen Posten wieder besetzen, um ihm dort um so gewisser eine große
Niederlage beyzubringen; indem der Feind, trotz aller bewiesenen Ta-
pferkeit, von den umher verschanzten Bergen und aus der Stadt ge-
worfen wurde, so daß über 8,000 Mann mit ihrem verwundeten Ge-
neral im freyen Felde sich ergebn mußten. Nun ging es ernsthaft an
die Arbeiten vor Glatz. Der General Harsch und der Oberst R o u-
vroy hatten sie mit solchem Eifer und solchen Ansialten betrieben, daß
diese Festung im ersten Sturme mit fast 2,000 Kriegsgefangenen und
mit großen Vorräthen überging. Die Aufforderung von Breslau
scheitete an der Standhaftigkeit des Commandanten. Man mußte jetzt
dem von Dresden abgezogenen König entgegengehen, und L., der das
Lager eines einzelnen Corps anzugreifen gedachte, gerieth bey Llegnitz,
in den ungleichen Kampf mit einer Armee, in welchem er der Übermacht
das Feld ließ, aber in guter Ordnung sich zurückzog, und bey dem
Daun'schen Heere noH nütz'ich werden konnte. Der Unternehmung
aufKosel entsprach der Erfolg nicht. — Die Winterlager waren dieß-
niahl wie im vorigen Jahre durch einen Vertrag gesichert. Bald eilte L.
von den Wiener Kriegsconferenzen zu den Truppen in Schlesien, über
die er, von dem Daun'schen Hauptheere unabhängig, den Oberbefehl
führte (März 1761). Unter den lauen Maßregeln der Bundesgenossen
blieb es beym Beobachten, bis im Herbste der König aus dem'Lagervon
Schweidnitz gegen Neisse aufbrach. L. nahm hier seine,Zeit so
gut, daß erden wichtigen Platz in dem bekannten gewaltigen Überfalle
ohne Capitulation bekam; und er hatte so treffliche Anstalten getroffen,
daß wenig Unordnung dabey vorging. Die Kriegs- und Mundvorrathe
waren beträchtlich, aber viel wichtiger die damahls in Schlesien erkämpf-
ten Winterquartiere. — Die Ereignisse des letzten Feldzuges (1762)
wurden ganz durch die 2 Thronveranderungen in Rußland bestimmt —
die kurze Überlegenheit der verbündeten Monarchen nach der ersten, und das
Gleichgewicht zwischen den kriegführenden Machten, welches nach der zwey-
ten entstand. Bey Schließung des Friedens war von L.'s Eroberungen noch
Glahin der Gewalt der Österreicher.Die Zurücknahme vonSchweid-
n l tz hatte dem Kcnig eine Arbeit von 63 Tagen, und, wie er selbst sagte,
8,000 Mann gekostet. — Die Zeit bis zu seinem Rufe in den Hofkriegs-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie