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Mähren. I I . Geographie und Statistik. 519
Hradischer Kreise die Gegend um die March. Auch diese nähern sich in
ihrer Kleidung der ungarischen Tracht, unterscheiden sich aber nebst eini-
gen Abweichungen davon durch besondere Farben, indem erstere mei-
stens die grüne, weiße und lichtblaue, letztere hingegen die dunkelblaue
Farbe allen andern Farben vorziehen. Die böhmischen Mahrer machen
den größten Theil der Einwohner aus/ besonders aber sind jene Hieher
zu rechnen, die an der Gränze von Böhmen wohnen. Die Deutschen
sind meistens in Städten und an den Gränzen Schlesiens und Öster-
reichs, wobey sie viel ihren Nachbarn den Schlesiern und Österreichern
in Sitten und Mundart gleichen, dann bey Trüb au, Zw i t tau .
Nebst diesen ist zu Cz eltsch, einem Dorfe auf der Herrschaft G ö ding im
Brünner Kreise, eine Ansiedlung von Franzosen aus Lothringen, die
von Kaiser Franz I. errichtet, und mit aus Lothringen dahin gebrachten
Familien besetzt wurde. In dem nähmlichen Kreise hat der ehemahlige
Besitzer der Herrschaft Dürnh o lz, Christoph Freyh. v. Teuffen-
dach, kaiserl. Hofkriegsrath, General-Feldzeugmeister, General der
croatisch- und slavonischen Gränzen, um das Jahr 1583 die Dörfer
Frö llersdo rf, Gurt enfe ld und Prerau mit dahin verpflanzten
Croaten besetzt, die bisher in ihrer Nachkommenschaft unvermischt, und
auch in ihrer Kleidung, Sprache und in ihren Sitten sich erhalten ha--
ben. Zu diüsen können auch die auf der Herrschaft Lundenburg be-
findlichen sogenannten Podluzaken, ebenfalls croatischer Abkunft, gezahlt
werden. So verschieden diese Nationen sind, eben so verschieden sind
ibre Sitten, und ihr Charakter, überhaupt aber betrachtet, sind die
Mährer arbeitsam, treu und ihrem Landesfürsten gehorsam, sie sind
gute Soldaten, auch zu Künsten und Wissenschaften geschickt. Die im
stachen Lande nähren sich vom Ackelbau, die im Gebirge hingegen, wel-
che nicht hinlänglichen Feldbau haben, verschaffen sich ihren Unterhalt
durch die Viehzucht, Spinnerey und durch das Fuhrwesen. Auch in den
Tuch-, Wollenzeug-, Kattun- und Leinwandmanufacturen, in Berg-
und Hammerwerken, endlich auch in den Glashütten sinden sehr viele
Menschen Arbeit, Verdienst und Nahrung. Die Einwohner in den
Städten leben meistens von Handwerken, Künsten und von der Hand-
lung. Die Einwohner sind größtentheilÄ katholischer Religion, welche
die herrschende ist. Schon im 8. Jahrhundert war die katholische Lehre
bekannt, im 9. Jahrhundert aber ist sie durch die griechischen Brüder,
Cyr i l l und Methud , neuerdings eingeführt und verbreitet worden,
daher diese Heiligen als Landespatrone verehrt werdet. Die ersten Bi-
schöfe in M. hatten ihren Sitz in verschiedenen Orten, wo ihre Gegen-
wart nothwendig war, unter andern auch in Kostet und Polescho-
witz, bis endlich derselbe l092 nach O lmütz übertragen wurde. Dieses
Bisthum, mit einem adeligen freyen Wahlcapitel, wurde 1777 von der
Kaiserinn M a r ia.Theresia zu einem Erzbisthum erhoben, und zugleich
ill Brünnein eigenes Bisthum errichtet. Seit der 1783 gemachten neuen
Eintheilung der Diöcesen, gehört der Olmülzer, Prerauer und Hradi-
scher Kreis, und ein Theil des Troppauer mit 348 Pfarrepen und 225
Localcaplaneyen, zudem Olmützer Erzbisthum, der Brünner, Znay-
mer und Iglauer Kreis hingegen, mit 256 Pfarreyen und 143 Local-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie