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520 Mahren. I I . Geographie und Statistik.
caplaneyen, zu dem Brünner Bisthum, Nach der vom Kaiser Joseph
1731 eingeführten Toleranz werden auch die Religionsverwandten der
Augsburgischen und Helvetischen Confeffion, nicht nur öffentlich gedul-
det, sondern sie können auch an jenen Orten, wo sie zahlreiche Gemein-
den ausmachen, Bethhäuser, selbst mit Glockengeläute, wenn sie Letz-
teres ordentlich bey der Landesstelle begehren, errichten, und eigene
Pastoren wie auch Schullehrer von ihrer Religion aufnehmen. Seit die-
sem Zeitpunct unterhalten 12 lutherische und 13 helvetische, das ist,
evangelisch-reformirte Gemeinden ihre eigenen Pastoren und Superin-
tendenten, die erstem stehen unter dem Superintendenten zu Brunn,
die letztern unrer jenem zu Ingrowitz. Die Juden, die zwar schon
vorhin tolerirt waren und ihre Synagogen hatten, erhielten vom Kai-
ser I o s e p h mehrere Freyheiten, und wurden zu allen Handwerken
und Künsten zugelassen, sie müssen jedoch bey ihren Gemeinden deut-
sche Schulen halten, und der Zutritt ist ihnen auch in die lateinischen
und in die hohem Schulen gestattet. 1775 wurden die deutschen Schu-
len eingeführt, die sich nun so weit verbreitet haben, daß gegenwärtig
nebst der Normalschule in Brunn 14 Hauptschulen mit Einschluß je-
ner, die unter der Leitung der Piaristen sich befinden, und 1477
Stadt-und Landschulen da sind, in denen 127,000 Kinder ihren Un-
terricht erhalten. Unter der Leitung der Ursulinernonnen zu Brunn
und O l mutz sind noch 2 Madchenschulen eingerichtet. Für die, welche
sich den Studien widmen wollen, sind in jedem Kreise Gymnasien, nähm-
lich im Olmützer Kreise zu Olmütz und Trübau/im Prerauer zu
Kremsier und Freyberg, im Hradischer zu Straßnitz, im
Brünner zu Brunn und Nikvlsburg, im Znaymer zu Znaym,
und im Iglauer Kreise zu Iglau. Für die höhern Wissenschaften ist in
Olmütz eine Universität, welche mit 23 Professoren besetzt ist, und
eine ansehnliche öffentliche Bibliothek hat, auch ist dort eine ständische
Akademie. Ferners sind zu Brunn und Nikolsburg philosophische
öffentliche Lehranstalten, von Klöstern besorgt, und zu Brunn ein
besonderes theologisches Studium im bischöflichen Seminar. Auch hat
M. eine ordentlich organisirte k. k. Gesellschaft des Ackerbaues, der Na-
tur- und Landeskunde, welche sich mit der Herausgabe gemeinnütziger
Schriften zu beschäftigen und in andern Wegen zum besten Vortheil des
Landes zu bestehen hat. Es gibt in M. verschiedene Humanitäts-Anstal-
ten, wiez.B.Krankenhäuser zu Brunn, Olmütz, Neutitschein,
Pensions-Institute in Brunn und Olmütz, Taubstummen-Institut
in Brunn, Blinden - Institut, Kleinkinder - Bewahr - Anstalt, und
Männeroerein zur Unterstützung der Armen, wechselseitige Brandschaden-
, Versicherungs-Anstalt in Brunn zc., dann viele Fabriken, die nicht
nur sehr vielen Menschen Nahrung und Verdienst verschaffen, sondern
auch durch den Waarenverschleiß in das Ausland beträchtliche Summen
Geldes in das Land ziehen. In diesen Fabriken und Manufacturen wer-
den vorzüglich Tücher, leinene Waaren, als Leinwand, Tüchel, Tisch-
zeug u. dgl., Zeuce von Kamehlhaaren, gezwirnte baumwollene und
halbbaumwollene Waaren, als Barchent, Kattun, Musselin, Man-
chester u, dgl. gearbeitet; nebst diesen gibt es mehrere Glashütten,
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie