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522 Mähren. I I . Geographie und Statistik.
den an der Gränze ron Schlesien das sudetische oder Riesengebirge,
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Witterung wechselt schnell und unerwartet ab; nach dem Laufe der
Flüsse ist das Gebirge, im Olmützer Kreise gegen Schlesien der höchste
Punct, und gegen Osterreich und Ungarn, wo die March das Land
verläßt, die niedrigste Gegend des Landes, weil alle Wasser ihren Lauf
dahin richten. Die Gebirge sind jedoch grösitentheils bewohnt und frucht-
bar, sie sind entweder angebaut, oder mlt Wäldern bewachsen, oder sie
geben gute Hutweiden. Die Bewohner dieser Gegenden, vorzüglich der
karpathischen Gebirgsvorläufer, pflegen ihr Vieh, ihre Schafe und
Ziegen auf den Bergen zu halten, wo sie selbst in einzeln stehenden Hüt-
ten, den sogenannten Salaschen oder Paseken, wohnen. Wegen der
guten Weide und der gesunden Nahrung des Viehes, und wegen der
reinen Luft wird in diesen Gegenden dieMolkentur mit Nutzen gebraucht.
M. ist überhaupt ein fruchtbares Land, in welchem an Getreide und
Früchten mehr hervorgebracht wird, als die Einwohner verzehren. Es
werden alle Gattungen Getreide und Feldftüchte angebaut, und eben
so ist man mit Gartengewächsen und mit allem, auch edlerem Obste, hin-
länglich versehen, wobey noch in mehreren Gegenden viel Flachs und
Hanf gebaut wird. Die Zucht an Hornvieh, Pferden und Schafen,
Schweinen u. dgl. wird im ganzen Lande, und vorzüglich im Gebirge
mit Nutzen betrieben. In dem Iglauer, Znaymer, auch zum Theil im
Brünner Kreise und in den Gebirgen des Olmützer Kreises ist dir Zucht
"an starken und muthigen Pferden in gutem Stande, und wird durch
das k. k. Beschälwesen noch immer verbessert. Eben so ist die Schafzucht
durch spanische Widder veredelt, wodurch zum Vortheile der Fabriken
ein« ungleich bessere Wolle gewonnen wird. Da das inländische Horn-
vieh zur Nahrung nicht hinreicht, so wird vieles aus Polen und llngarn
eingetrieben, wozu eigene Viehmärkte, und zwar für das polnische in
Olmütz, und für das ungarische in^Ausvitz gehalten werden. An zah-
men Geflügel hat das Land einen Überfluß, besonders erzeugt es eine
Menge Gänse; auch Federwild hat M. ziemlich viel, in den Wäldern
trifft man vom'Wild: Hirsche, Rehe, weniger aber Wildschweine, am
häusigsten sind die Hasen. Der Weinwachs ist im Znaymer, Brünner
und Hradischer Kreise sehr beträchtlich, so zwar, dasi in guten Jahren
sogar die Nachbarn aus Osterreich viele mährische Weine kaufen. Die
Fcchsung des Weines im ganzen Lande aber fällt nach einem Durchschnitte
von 26 Jahren für ein Jahr auf 436,660 Eimer niederösterr. Maßes
ans. Eisen, Kupfer, verschiedene Stein-und Marmorbrüche, Kalk--
steinein Menge, Steinkohlen und viele andere Mineralien, worunter
Granit und Gneis die herrschenden sind, werden in M. gefunden und
benützt. Bier wird sehr viel bereitet, auch viel Branntwein gebrannt.
Tabak wird auf kaiferl. Rechnung zu G o ding fabrizirt.—Die Mark-
grafschaft M. steht unter einem Gouverneur, und wird durch verschie-
dene Stellen zugleich mit dem ö'sterr. Antheil von Schlesien (s. d.) ver-
waltet, worunter vorzüglich das Gubernium gehärt, bey welchem alle
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie