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Mahrisch.Trübau. — Malzet, Leonh. 525
Mährisch- Irübau, mähr. Stadt im Olmützer Kreise, in einer
fruchtbaren Gegend am sogenannten Trübauerwasser oder der Trzebowka,
sie ist Hauptort einer fürstl. L iech ten st ei n'schen Herrschaft mit einem
Schlosse, hat ein Piaristencollegium mit Gymnasium und Hauptschule,
und zahlt über 3,000 Einwohner, die sich größtentheils von Tuch- und
Leinenweberey ernähren.
Malzel, Ioh . , geschickter Mechaniker, wurde 1776 zu Regens-
burg geboren. KaiserFranz ertheilte ihm seiner sehr interessanten Erfin-
dungen wegen denTitel eines k.k. Hof-Mechanikers. M. machte mit seinen
neuerfundenen Musik-Instrumenten Reisen, ließ sich damit an vielen Orten
hören, nahmentlich 1807 zuParis, wo er täglich mit allgemeinem Bey-
falle der Musikfreunde und Kenner Concerts d'harmonie gab. —
1809 ließ er ebenfalls daselbst einen Trompeter-Automaten hören. In
neuester Zeit erfuhr man durch öffentliche Blatter, daß er sich theils in
Nordamerika, theils in England aufhielt, und durch seine Kunstwerke
allgemeine Bewunderung erregte. 1829 stellteer zu Boston (in Nord^
amerika) ein Orchester aus 42 Automaten öffentlich zur Schau aus. Es
besteht aus den satmntlichen Mitgliedern eines Orchesters, und selbst der
Capellmeister ist ein Automat. Am bewunderungswürdigsten sind die
Violinspieler, indem sie Bogen und Finger mit staunenswürdiger Accu-
rateffe bewegen. Die Trommeln, Pauken, kleinen Pfeifen, Triangel
und Glöckchen werden von künstlichen Mohren gespielt. Diese Automaten
produciren die Ouvertüren aus „Don Juan, Iphigenia und Vestalinn."
Die Harmonie spielt das Volkslied: ,,(^od save the I<.ing!" Für dieses
Automaten-Orchester wurden ihm von einer Gesellschaft reicher ameri-
kanischer Kaufleute 300,000 Dollars gebothen. .
Mälzet, Leonh., k. k. musikal. Kammermaschinist, Bruder
des Vorigen, ist am 27. März 1783 zu Regensburg geboren/ wo
schon der Vater als Mechaniker im vortheilhaftesten Rufe stände In
seinen früheren Jahren widmete sich M. vorzüglich der Tonkunst, und
nahmentlich der Ton-Dichtkunst, auch brachte er es im künstlichen musika-
lischen Vortrage so weit, daß er über 100 classische Stücke von den be-
rühmtesten Tondichtern aus dem Gedächtnisse auf dem Pianoforte spielte.
Vornehmlich aber erwarb er sich durch die Erfindung mehrerer musikali-
scher Instrumente vielen Ruhm. Das erste und bedeutendste unter den-
selben war die Orpheus-Harmonie, welche er gegen Ende 1814 zum
ersten Mahle in Wien öffentlich hören ließ. Die ersten Componistett
Wien's stellten ihm darüber das schriftliche Zeugniß aus, daß sie dieses
Instrument sowohl in Hinsicht seines sehr schönen, neuen und überraschen-
den Tones, als dessen leichter geräuschloser Entstehungsart, für eine
ganz neue Erfindung ansahen. Er traf nun bald (1816) die Anstalt,
dieses Instrument öffentlich zu Wien nebst einigen Flötenwerken und
einem Automaten (ein sitzender Knabe, welcher Variationen auf
dem Flageolet spielte) aufzustellen, und erntete allgemeinen Beyfall.
Dieser Automat war um so bemerkenswerther, als er die Töne auf dem
Instrumente, mit Abwechslung der Finger, gleich einem Lebenden her-
vorbrachte. Ein zweytes größeres Werk war sein Pan-Harmonicon,
welches aus Clannetten, Basset-Hörnern, Fagotten, außer diesen aus
Forte-, Piano- und Pianissimo - Flöten sammt Piccolo :c. bestand«
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie