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532 Maguracr Jäger. — Magyaren.
nur die Reichsbarone darunter. Diese sind- Die größeren, nähmlich der
Palatin, Reichs- und Hofrichter, der Ban von Croatien, Slavonien
und Dalmatien, die Schatzmeister und die höchsten Hofbeamten, endlich
auch die Fürsten des Reiches, dann die kleinern, oder alle Grafen und Frey-
herren, welche zu Folge ihrer Geburtsrechte, an der Gesetzgebung des
Landes Theil nehmen. Den Prälaten, niedern Edelleuten und den königl.
Freystädten kommt diese Benennung nicht zu.
Maguraer Jäger in der Zips. Magura ist ein Strich Lan-
des am Fuße der Karpathen, so benannt von einem ziemlich hohen Berge,
ein kleines, selbst dem emgebornen Ungar noch ziemlich unbekanntes,
obwohl in mancher Hinsicht merkwürdiges Ländchen, welches ehemahls fast
ganz der freyherrlich Pa l ocs az'fchen Familie gehörte, und jetzt von
lauter Polen, eine kleine deutsche Colonie beym rothen Kloster ausge-
nommen, bewohnt wird. Vor Zeiten sollen hier deutsche Einwohner
gewesen, aber (wie die allgemeine Sage lautet) von einem Hussiten«
schwärm vertrieben, und aufgerieben worden seyn. Die noch jetzt gebräuch-
lichen Benennungen mancher Ortschaften und Felder (z. B. K a z-
wilvkel, Richwald, Fr iedmann, Dürs i in , Falst in, Wei-
sengarten, Lang grübe) weisen auf Deutsche zurück. — Die Kar-
pathenjäger, in denen sich die Iagdkunst und der Hang dazu von Vater
aufSöhne forterben, sind vorzüglich in den Palocsaz'schen Herrschaften
Landek, Nedecz und Laps. Die letzteren zwey liegen in der Ma-
gura. Man findet die Jäger hauptsachlich in den Ortschaften Landek/
Zd jar , Ie r io rsko , Osturn ia , Csernegera, Rzevish, und
Iu rgow. — Sie sind robotirende Unterthanen wie andere, und
müssen auch dem Aufgeboth des Grundherrn zur Jagd folgen, wobey sie
für ein erlegres vorzügliches Stück Wild nur Essen und Trinken erhalten;
und da die Gemsen, Bären und Murmelthiere auch in den Karpathen
von Jahr zu Jahr seltener werden, so ist die Jagdbeute diese! armen
Schützen, wenn sie dann und wann ein solches Wild heimlich pürschen
und nachKesmark oder sonst wohin verlaufen, eben nicht von Belang.
Indessen erhalten manche der ausgezeichneteren Jäger mitunter aus beson-
derer Wohlthat lebenslänglich ein Stück Feld von einigen Meben Aus-
saat,zum Anbau. Bey alledem ist ihr Muth und ihre^Unverdrossenheit
bewundernswerth. Sind sie einem Wilde auf der Spur, so ruhen sie
nicht; sie verlassen sogleich Hütte und Hufe, nehmen ihr Gewehr und
etwas Zelergebäck (Moskal), eine Art schwarzen dicken Kuchens, das
Köstlichste, was sie besitzen (denn eigentliches Brot ist Ambrosia für sie),
auf den Weg, und verfolgen das Thier bis in die Liptauer und galizi-
schen Wälder, wohl 10—12 Meilenweit, so lange bis sie es erleben.
Der Hunger, die Strapazen und die Feindseligkeit der Karpathen-Wit-
terung, die sie dabey ausstehen, gehen über alle Beschreibung. Viele
finden hierbey, vom Wilde verletzt und getodtet, viele von Un-
fällen anderer Art frühzeitig ihr Grab. Unter diesen karpathiscken Schü-
tzen ist die Familie Butz durch die Kühnheit und die Schicksale ihrer
Mitglieder die ausgezeichnetste.
Magyaren. Die Abstammung dieses Volkszweiges liegt noch im
Dunkel. Erst im 1. und 2. Decennium dieses Jahrhunderts fingen die
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie