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516 Mannagetta und Lerchenau, das Geschlecht.
OrdenS, und erhob ihn nicht lange darauf zum Inhaber des Infanterie-
Regimentes Nr. 13, in welchem er seine militärische Laufbahn begonnen
hatte. — In der Folge kam M. abermahls nach Florenz zurück, wo
bald darauf die Franzosen eindrangen. M. konnte die Verluste des Hauses
seiner Wohlthäter nicht mit ansehen, und begab sich, als den Großherzog
Ferdinand das Schicksal aller anderen Regenten Italiens traf, nach
Sicilien. Allein der Kaiser berief ihn gegen Ende 1800 wieder nach
Wien , wo er ihn zum Feldmarschall-Lieutenant beförderte, und der
Oroßherzog Ferdinand ihm eine Apanage auswarf. — Als dieser
nachmahls zum Besitze von Salzburg (1801) gelangte, wardM. diri-
girender Staatsminister, bekleidete jedoch diesen Posten nur so lange,
bis durch den Preßburger Friedens -Tractat (1805) der Großherzog zur
Herrschaft von Würzburg kam. M. folgte dem Großherzoge dahin.
Bey Errichtung des St. Joseph-Ordens wurde M. mit dessen Groß-
kreuz betheilt. Vor dem Ausbruch des Kruges 1809 wurde er nach Wien
berufen. Im vorgerückten Alter erbat er sich 1810 die Erlaubniß aus dem
öffentlichen Leben ganz abzutreten, und seine übrigen Tage in Padua
zu beschließen. Dort lebte er der Lectüre geistreicher Schriften, und den
schönen Künsten, welchen er selbst manches werthvolle Erzeugniß in
italienischer oder lateinischer Poesie weihte. Er starb den 19. Sept. 1829,
eine Sammlung von Gemälden der ersten Meister aller Schulen zurück-
lassend.
Mannagetta und Lerchenau, die Freyherren und Ritter. Diese
Familie, welche dermahl zu den ältesten Geschlechtern des niederöster-
reichischen Ritterstandes gezählt wird, gehörre im Mittelalter dem Pa-
trizierstande mehrerer oberitalischer Städte an, wie dieses einige noch
bestehende Grabmahler in. den Kirchen von Bo logna und Ferrara
beweisen. Va len t in M. war der erste, welcher sich Ende des 15.
Jahrhunderts zuWilh elmkbürg in Niedererösterreich ankaufte, einen
deutschen Ruf erwarb sich aber erst sein Enkel Johann Wilhelm
M. , welcher durch 46 Jahre der gefeyertste Arzt am kaiserl. Hofe
und in Wien war. Er glänzte als erster Professor der dortigen
Hochschule, wirkte als Protomedicus für die Provinz, zeichnete
sich als Leibarzt dreyer Monarchen ( F e r d i n a n d I I . , Fero i«
nand I I I . und Leopold I.) aus, und leistete dem Oesammtstaate
als Historiograph und wirklicher Rath der damahligen Conferenz vor-
zügliche Dienste. Die medicinische Facultät wahlte^ihn eilf Mahl
zu ihrem Decan, die Universität acht Mahl zu ihrem Rector. Unter
feinen medicinischen Werken wird die noch bis in das 18. Jahrhundert
in Ausübung gewesene Pestordnung', dann eine Abhandlung über den
Kreislauf des Blutes; unter seinen historischen die Corona duodeciin
Caesarum e domo austriaca in der Literargeschichte ehrenvoll genannt,
doch der größte Theil seiner Arbeiten ruht als Manuscript in det
kaiserl. Hofbibliothek. Zur Belohnung erhielt er im Jahre 1630 ein
Diplom als Comes pslatinus et sacri pIlatii Comes (Pfalz- und Hof-
graf) und später am 4. Jänner 1637 den Reichsritterstand und zwar, da
er kinderlos war, milAusdehnung auf seine drey Brüder: Mat thäus,
Carl und Franz. In diesem Diplome ward ihm mit Rücksicht auf
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie