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Mannagetta und Lerchenau, das Geschlecht. 347
fein aus Italien mitgebrachtes adeliges Wapen (drey goldene Lerchen im
schwarzen Felde mit silbernem Querbalken) das Prädicat „und Lerchenau"
ertheilt und sein Wapen noch mit Wapenhältern und dem Wahlspruche:
Fortiter ac suaviter, vermehrt; 1662 erhielt er von LeopoldI. den
Auftrag/ das Fugger'sche österr. Stammbuch zu ergänzen. Sein
Sinn für Bildung und Wohlthun war so groß, daß er nicht nur
die Ooldberg'sche Stiftung aus eigenen Mitteln auf 62 Studen-
tenvermehrte, sondern auch eine Familienstiftung gründete (s. den
folgenden Avtikel) und der von seiner Ehegattinn herrührenden v. Kiel-
mann segg'schen Stiftung ein ansehnliches Legat zudachte. Dessen
ungeachtet hinterließ er ein großes Vermögen, als Früchte seiner litera-
rischen Leistungen und seines medicinischen Rufes. Er starb 1666,
und liegt bey S t . S tephan begraben, woselbst thm, nachdem das
alte Monument der Zeit erlegen war, der zarte Sinn eines spaten
Enkels ein neues Denkmahl errichtet hat. — Johann Georg,
ein Großneffe des Vorigen, diente bis zum 30. Jahre als Syndi-
cus der Wiener Universität, ward jedoch 1703 zum Regierungs-, und
schon drey Jahre später zum wirklichen Hof- und Conferenzrathe
ernannt, in welcher Stelle ihn Kaiser Car l V I . nicht nur bestä-
tigte, sondern ihn auch seines besondern Vertrauens würdigte. Et be-
stellte ihn 1722, 1723 und 1729 als dritten Hofcommissär zu dem
ungar. Reichstage in Preß bürg neben den Grafen v. Nesselrode
und Kinsky, wo es sich um Anerkennung der pragmatischen Sanc-
tion handelte, und den vereinten Bemühungen dieser drey Staats-
männer gelang es, der großen Mar ia Theresia die Nachfolge auf
dem ungar. Throne zu sichern. Hiefür verlieh ihm Car l V I . mit
Bestätigung des Ritterstandes das Prädicat: „Edler Herr," ernannte
ihn taxfrey zum geheimen Rathe, und schenkte ihm das Out St . An ton
auf der Insel Schütt in Ungarn, die ungar. Stände aber verliehen
ihm und seiner Descendenz aus eigenem Antnebe das Indigenat mit
Nachsicht der Taxen von 1000 Ducaten; aber auch die oberösterr.
Stände nahmen ihn 1732, und die niederosterr. 1735 in ihr
Consortium und zwar im alten Ritterstande auf. Er starb 1751,
nachdem er volle 40 Jahre im Staatsrathe als Referent gedient
hatte, und liegt in der Stephanskirche neben dem Stifter begraben.
Seine beyden Söhne M a r t i n Joseph Und Phi l ipp traten in
die Fußstapfen ihres würdigen Vaters. Der Erstere, geboren 1699,
war schon in einem Alter von 23 Jahren niederosterr. Regierungsrath
auf der gelehrten Bank, bald darauf Regierungs Kanzler, sohin Hofrath
und geh. Referendar im Staatsrathe, dann Regierungs-Vicepra'si-
dent, endlich niederosterr. Vicestatthalter. Die letztere Eigenschaft
war es, in welcher er sich die meisten Verdienste um den Staat und
insbesonders um Wien erwarb. Als Chef der Polizey der Provinz
Nieder-Osterreich traf er für öffentl. Ordnung, Ruhe und Sicher-
heit die zweckmäßigsten Einrichtungen, ihm verdankt die Kaiserstadt
das erste regelmäßige Pflaster, eine allgemeine Beleuchtung und die
- Herstellung der damahls sehr gesunkenen öffentlichen Sittlichkeit. Mar ia
Theresia ertheilte ihm 1752 aus eigenem Antriebe mir Handbillet tax-
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Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie