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Marczybany. — Marengo, Schlacht bey. 559
Marczybany von Pucho, Stephan, war 1751 aus einer
achtungswerthen Familie Ungarns geboren. Nach Vollendung seiner
Studien widmete er sich der öffentlichen Geschäftslaufbahn und erhielt
die Würde eines k. k. wirkl. geh. Rathes. Seine schwankende Gesund-
heit nöthigte ihn jedoch, sich von dieser ehrenvollen Laufbahn zurück-
zuziehen, und auf das Privatleben zu beschranken, welches er zu Ofen,
ungeachtet eines langjährigen Unwohlseyns, zum Besten der Nothleiden-
den zu führen wußte. Die ihm zu Theil gewordenen nahmhaften Glücks-
güter verwendete er zu edlen, eines Patrioten würdigen Zwecken,
welche eben so sehr Kunst un5 Wissenschaft, als das Heil der Menschheil
förderten. Mit leidenschaftlicher Liebe sammelte er Antiken aus Ungarns
Vorzeit, Gemmen und andere vaterländische Kunstwerke, wobey er kei-
ne Kosten scheute, und so gleichsam der Erste ward, welcher in dieser
Beziehung wirkte, ehe noch an ein uttgar. National-Museum gedacht
ward. Seine Sammlung zeichnete sich durch Auswahl, Seltenheit und
durch den Werth ihrer Eremplare aus, und verrieth unverkennbar, daß
ihr Besitzer von regem Kunsteiser beseelt war, wenn gleich das kritische
Auge des Kenners hinsichtlich der Zusammenstellung die systematische Ord-
nung vermißte. Außerdem war M- unermüdet für die Emporbringung
der Wissenschaften, und bewog durch nahmhafte Unterstützungen viele
seiner gelehrten Landsleute zu schriftstellerischen Leistungen, besonders zu
Übersetzungen der Classiker^, von denen er die militärischen vorzüglich
schätzte. — Auch den Armen und Unglücklichen bezeigte sich M. als Vater
und Freund — seine.Wohlthätigkeit kannte keine Gränzen. Ansehnliche
Summen waren eigens als Fond für Dürftige bemessen, und nach
manchen 'Jahren noch beträchtliche Zuschüsse über die ausgeworfenen
Beträge. Wahrhaft Leidende konnten seiner Hülfe jederzeit versichert
seyn, M.'s Haus war ein,'Asyl für Unglückliche. Er starb den 21. Dec.
1810, Mgemein beklagt, und verfügte noch letztwillig zu Gunsten des
Hospitals der Elisabethinerinnen, und jenes der barmherzigen Brüder
in Ofen, deren Stiftungen er ergiebig vermehrte. Auch das National-
Museum zuPesth verdankte ihm ansehnliche und werthvolle Beyträge.
Marengo, Schlacht bey, den 14. Iuny 1800. Auf der wei-
ten ebenen Flache zwischen Alessandria und Tor tona entbrannte
an diesem Tage die berühmte Schlacht bey M a r e n g o , welche
Frankreichs Übermacht in Italien entschied. Me las , der seine Armee
vorwärts von Alessandria zwischen der Bormida und dem Tanaro auf-
gestellt hatte, griff um 7 Uhr früh an. Dieser Angriff hatte den glück-
lichsten Erfolg. Die französische Armee war im allgemeinen Rückzug/
nur noch 2 Grenadier-Gardebataillons und das 45. Regiment hielten
Stand. Da drang D essa ix, der so eben, aus Ägypten gekommen war,
mit der 9. leichten Halbbrigade vor. Die Österreicher stutzten. Dessaix
siel. Wüthend über den Verlust des geliebten Anführers erneuerten die
Franzosen den blutigen Kampf. Durch einen nicht zu berechnenden Zufall
gerieth der österr. General-O.uartiermeister Zach in Feindes Hände,
und dadurch die kaiserl. Armee in Unordnung. Nach einem 13stündigen
heißen Gefechte, das über 8,000 Mann derselben aufgerieben hatte,
mußte sie auf Alessandria zurückweichen, und der kranke
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie