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562 Mar ia Theresia, Rais. — Mar ia Anto inctte, R. v.Frankr.
der Erzherzoginn Beat r ix . Schon in ihrer frühesten Jugend hatte sie
die erfreulichsten Talente entwickelt. Sie wurde von ihren Altern zwar
zum'Klosterstande bestimmt, da jedoch ihre Familie 1796 durch den Ein-
fall der Franzosen genöthigt wurde, Italien zu verlassen, kam M. L.
mitihren Ältern nach Wien er. Neustadt, wo ihre Erziehung unter
unmittelbarer Aufsicht ihrer Mutter vollendet würde. 1807 erwählte sie
Kaiser Franz, nach dem Tode der Kaiserinn Mar i a Theresia, zu
seiner dritten Gemahlinn, und sie entwickelte auf diesem erhabenen
Standpuncte die glänzendsten und verehrungswürdigsten Eigenschafren,
welche sich besonders in den Kriegsjahren 1313-^-14 auf das segenbrin-
gendste zeig:en. Große Summen wurden von ihr zur Unterstützung von
Landwehrwitwen verwendet. Doch hatte auch ihre ohnehin schwache Ge-
sundheit durch die vorhergegangenen Tage der Prüfung bedeutend gelit-
ten. Es wurde ihr zwar vom Schicksale vergönnt, ihre Familie imWie-
derbesitz ihrer Staaten zusehen, allein ihre Gesundheit verschlimmerte
sich zusehends. Beym Anfange des Wiener Congresses, wo so viele Für-
sten ihre erhabenen Eigenschaften zu bewundern Gelegenheit hatten,
kränkelte sie, bereits 1616 machte sie demungeachtet eine Reise nach Ita-
lien, um ihre ersehnte Heimath wieder zu sehen, doch ihre Kräfte wa-
ren bereits zu sehr erschöpft, ihre Krankheit griff um sich und sie starb,
zu allgemeinem Leidwesen, den 7. April 1816 zu Verona. Ihr Leich-
nam wurde hierauf nach W i e n algeführt und in der kaiserl. Gruft
beygesetzt.
Maria Theresia, röm.-deutsche Kaiserinn, s, Theresia.
Maria Theresia, Kaiserinn von Osterreich, s. Theresia.
Maria Antoinette, Königinn von Frankreich, geboren zu
W5kn den 2/Nov. 1755, die Tochter Franz I. und Mar ia The-
vesiens, vermählte sich am 16. May 1770 mit dem jungen Herzog
von Ber ry , nachherigen König Ludwig XVI . Niederstürzender Re-
gen und zwey heftige Gewitter gäben Abergläubischen hinlängliche Nah«
rung, aus dieser Verbindung Unglück für Frankreich zu provhezeyen,
sowie auck bey dem Feste der Stadt Par is (am 30. May 1770),
wobey 1,200 Menschen das Leben verloren, diese Ahnungen in der
Folge noch größeres Gewicht erhielten. M.A.'s Menschenfreundlichkeit,
die sie bey jeder Gelegenheit offen zeigte, so wie ihre Liebenswürdigkeit,
gewannen ihr indeß alle Herzen. Bey solchen Eigenschaften würde es ihr
sicher leicht geworden seyn, sich der Herrschaft über ihren Gemahl zu be-
mächtigen, und bey ihren Geistesgaben auch wohl Frankreich glücklich
zu machen, wenn nicht die Verderbtheit des französischen Hofes und
mehrerer Grosien dieses Glück mit frecher Hand zerstört hatte. Wenn
indeß ein großer Theil der Schmähschriften, welche die Bosheit selbst
erdacht zu haben schien, zum Theil schändliche Lügen waren, oder zum
Theil auch ihre unschuldigsten Handlungen mißdeuteten, so ist doch auch
nicht zu laugnen, daß sie ihren Feinden durch einiges Unüberlegte es
leicht gemacht habe, ihren Ruf anzutasten. Die Revolution führte die
königl. Familie den größten Kränkungen entgegen. Der 6. October
178l) sebte M. A. persönlichen Mißhandlungen aus; die Kühnheit, mit
der sie oen Empörern entgegentrat, rettete ihr Leben. Nach der venm-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Volume 3
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe I-M
- Volume
- 3
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 768
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie